Christen in Sri Lanka und China

Die blutigen Anschläge auf Kirchen rücken Christen in den Fokus – Diskriminierungen und Anfeindungen im Alltag

allewelt Juli/August 2019

Die Uhr am Turm der St. Antonius-Kirche in Sri Lankas Hauptstadt Colombo ist am 21. April 2019 stehen geblieben. Um 8.45 Uhr, dem exakten Zeitpunkt, an dem sich ein Selbstmordattentäter während der Ostermesse in die Luft sprengte. „Ein Priester kam aus der Kirche und war voller Blut“, erinnert sich N.A. Sumanapala, der nahe der Kirche ein Geschäft betreibt und zu Hilfe eilte, nachdem er die Explosion gehört hatte. „Mir fehlen die Worte – ich habe noch nie so eine Grausamkeit gesehen“, sagt der sri-lankische Missio-Nationaldirektor Basil Fernando. Innerhalb kurzer Zeit sprengen sich an diesem Ostersonntag Selbstmordattentäter in drei Kirchen und drei Hotels in die Luft. Dabei reißen sie rund 250 Menschen mit in den Tod, rund 500 werden verletzt. Wenig später bekennt sich schließlich die Jihadistenmiliz „Islamischer Staat“ zu den Anschlägen.

So blutig wie noch nie

Religiös motivierte Anschläge in einem solchen Ausmaß hat es in Sri Lanka bisher noch nicht gegeben. Auf dem Weltverfolgungsindex der Organisation „Open Doors“ liegt der Inselstaat an der 46. Stelle unter jenen 50 Ländern, in denen Christen am meisten verfolgt werden. Etwa zwei Millionen der 21 Millionen Bewohner Sri Lankas gehören der katholischen Kirche an – die Hälfte davon zählt zur singhalesischen Bevölkerungsmehrheit, die andere Hälfte zur tamilischen Minderheit. Die Hauptreligion ist der Buddhismus (70 Prozent), dem Hinduismus gehören rund 12 Prozent der Menschen an. Angriffe auf Christen waren bisher auf bestimmte Gebiete des Landes beschränkt. Sie fanden vor allem auf Dorfebene statt und gingen meist von buddhistischen Extremisten aus.

Mann hält die Hand von einer Patientin

„Mir fehlen die Worte – ich habe noch nie so eine Grausamkeit gesehen.“

Father Basil Fernando

13 Millionen Christen leben schätzungsweise in China

Obwohl das Christentum in China eine anerkannte Religion ist, sind die Gläubigen zahlreichen Diskriminierungen ausgesetzt. Experten warnen davor, dass sich die Situation immer mehr zuspitzt. „Man möchte nicht, dass christliches Leben öffentlich sichtbar ist“, berichtet beispielsweise Ulrich Delius, der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, kürzlich dem deutschen Ausschuss für Menschenrechte. Dies spiegelt sich auch im Weltverfolgungsindex der NGO „Open Doors“ wider. Dort hat sich China heuer von Platz 43 auf Platz 27 verschlechtert und gehört somit längst zu den Ländern, in denen Christinnen und Christen am meisten verfolgt werden. Auch der Vatikan blickt besorgt auf das Reich der Mitte: „Die Leiden der katholischen Chinesen sind uns klar bewusst und sie besorgen uns sehr“, sagt Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin. Einen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings für die 97, 2 Millionen Christen – und vor allem 13 Millionen Katholiken – in China. Denn um die Lage zu entschärfen, hat der Vatikan mit China im Vorjahr ein Abkommen geschlossen. Papst Franziskus erkannte damit alle regierungstreuen Bischöfe in China an, die ohne päpstliche Zustimmung geweiht worden waren.

Wussten Sie schon, dass …

… nun offizielle Pilgerfahrten nach Medjugorje erlaubt sind?

Papst Franziskus gestattet katholischen Diözesen und Pfarren nun, Wallfahrten nach Medjugorje zu organisieren. Dies war in dieser Form bisher nicht möglich. Die päpstliche Erlaubnis darf aber nicht als Anerkennung der Marienerscheinungen gewertet werden, wird seitens des Vatikans betont. Die Entscheidung sei seelsorglich motiviert unter dem Eindruck des „beträchtlichen Zustroms nach Medjugorje und der reichen Früchte der Gnade, die daraus entstanden sind“.

  … auch in Indien über den Karfreitag debattiert wurde? 

In dem südasiatischen Staat gibt es nur zwei Hochfeste der christlichen Minderheit, die als Feiertage anerkannt sind: Weihnachten und Karfreitag. Zwei Unionsterritorien wollten vor kurzem den Karfreitag als Feiertag abschaffen – doch dem Vorhaben wurde eine gerichtliche Absage erteilt: Somit bleibt der Karfreitag in Indien bis auf weiteres ein Feiertag.

… auf der Turmspitze der Pariser Notre Dame wertvolle Reliquien versteckt waren? 

Das Feuer in der Kathedrale Notre Dame brachte auch Kunstwerke in Gefahr – darunter einen Hahn aus Bronze, der auf jener Turmspitze saß, die bei dem Brand in die Tiefe stürzte. Glücklicherweise wurde die Skulptur im Schutt wiedergefunden. Sie beinhaltet drei Heiligtümer: ein Stück der Dornenkrone Jesu, eine Reliquie des heiligen Dionysius und eine Reliquie der heiligen Genovefa.

Quellen: Pro-Christliches Medienmagazin, Open Doors, Kathpress