Wie Ziegen Leben verändern

Die Wiener Pfarre Dornbach unterstützt seit Jahren die Pfarre Busoro in Burundi. Angefangen hat es mit dem Ankauf von Ziegen für die ärmsten Familien. Mittlerweile gibt es eine tiefe Beziehung zwischen Burundi und Österreich. 

allewelt März/April 2021

Balthazar und Veronique haben sechs Kinder. Sie wohnen in einer Ortschaft, die zur Pfarre Busoro in der Provinz Ruyigi im ostafrikanischen Staat Burundi gehört. Die Familie litt unter bitterer Armut. Doch vor einigen Jahren hat sich ihr Leben schlagartig verändert. Im Rahmen eines Hilfsprojekts bekamen Balthazar und Veronique Ziegen. „Bevor ich die Ziegen bekommen habe, hatte ich nicht genug Geld, um das Schulgeld meiner Kinder zu bezahlen“, erinnert sich Balthazar im Interview mit „allewelt“. Mit den Tieren änderte sich alles. Zwei der Kinder, die Töchter Niyonsavyi und Nimbona, haben ihre Schulausbildung mittlerweile erfolgreich beendet und suchen nun Arbeit. Als das Hausdach undicht war, konnte sich Balthazar die Reparatur leisten. Und bald heiratet einer seiner Söhne. Den will der Vater natürlich auch unterstützen: „Ich hoffe, dass mir die Ziegen dabei auch helfen werden. Im Moment habe ich noch zwei.“

Kaplan Joseph

„Seit dem Beginn der Pfarrpartnerschaft hat sich das Leben der Einwohner in der Pfarre Busoro so deutlich verändert.“

Kaplan Joseph, begleitet vor Ort die Projektdurchführung

Familien helfen Familien

Am Beispiel von Balthazar und seiner Familie sieht man, dass man relativ einfach Großes bewirken kann. Die Idee für diese Initiative, bei der für die 100 ärmsten Familien in der Pfarre Busoro jeweils zwei Ziegen gekauft wurden, kam von der Wiener Pfarre Dornbach, im Rahmen der Pfarrpartnerschaft „Dornbach meets Burundi“. Das war 2014. Die Zusammenarbeit hatte damals so gut funktioniert und die Hilfe dermaßen große Früchte getragen, dass die Wiener Pfarre seitdem bereits mehrere Hilfsprojekte in Busoro aktiv unterstützt hat. „Ganz stark im Fokus steht dabei die Nachhaltigkeit in den Bereichen Ausbildung, medizinische Versorgung und biologische Landwirtschaft. Es geht darum, keine isolierten Einzelmaßnahmen zu setzen, sondern Grundlagen zu schaffen, damit die Menschen auf lange Sicht ihre Situation selbst verbessern können“, erzählt Magdalena Berecki-Pernkopf vom Organisationsteam.

Aktuell unterstützt die Pfarre Dornbach ein landwirtschaftliches Ausbildungsprogramm. Die Idee ist, dass aus jeder Ortschaft der Pfarre Busoro eine Reihe von Familien landwirtschaftliche Grundkenntnisse gelehrt wird – etwa wie man richtig kompostiert, düngt, den Ertrag vermehrt. Diese gibt das Wissen wieder an andere im Ort weiter. Die Pfarre Dornbach setzt bei „Dornbach meets Burundi“ auf die Expertise von Missio Österreich. Dort gibt es das Programm „Pfarrpartnerschaften“. Dabei werden Pfarren in Österreich bei ihrem sozialen und misssionarischen Engagement unterstützt. Die Pfarren profitieren von der langjährigen Erfahrung von Missio in diesem Bereich – von der Finanzierung bis hin zur Kontakterstellung mit Pfarren in den ärmsten Ländern der Welt, um ein Hilfsprojekt auf die Beine zu stellen.

„Die Verbindung über Grenzen hinweg ist eine sehr schöne Sache dabei. Die Malerin Traude Kling aus Dornbach hat etwa Bilder zugunsten des Projekts verkauft.“

Magdalena Berecki-Pernkopf, von der Pfarre Dornbach

Bekanntschaft führte zur Zusammenarbeit

Die Idee, in Burundi zu helfen, entstand durch eine persönliche Bekanntschaft. „Die Verbindung zu Busoro ergab sich über Pater Sylvère, der damals zwei Jahre in der Pfarre Dornbach tätig war. Es handelt sich bei Busoro um seine Heimatpfarre. Eine Gruppe von Pfarrangehörigen hat die Initiative ergriffen, gemeinsam etwas zu unternehmen“, erinnert sich Berecki-Pernkopf. Die Partnerschaft bereichert das Pfarrleben in Wien. „Die Verbindung über Grenzen hinweg ist eine sehr schöne Sache. Es ist beeindruckend zu sehen, wie der Glaube in Busoro gelebt wird, mit welcher Hingabe und Energie.“

In Busoro sind die Menschen voll tiefer Dankbarkeit für die Hilfe aus Österreich. „Seit dem Beginn der Pfarrpartnerschaft hat sich das Leben der Menschen so deutlich verändert“, erzählt Kaplan Joseph, der vor Ort die Projektdurchführung begleitet. Kinder gehen in die Schule, weil sich die Eltern nun das Schulgeld leisten können, es gibt genug zu essen, manche können jetzt sogar ihr Haus mit Wellblech decken – in Burundi keine Selbstverständlichkeit. „Mittlerweile weiß die gesamte Bevölkerung in Busoro über die Pfarrpartnerschaft Bescheid und ist stolz auf diese spirituelle und materielle Zusammengehörigkeit.“

PFARRPARTNERSCHAFTEN

In vielen Pfarren besteht der Wunsch, Menschen in den armen Ländern zu helfen. Aus diesem Grund hat Missio Österreich die Idee einer Pfarrpartnerschaft entwickelt. Durch die weltweite Vernetzung mit kirchlichen Partnerinnen und Partnern sind die Päpstlichen Missionswerke den Menschen in den Ländern des Globalen Südens ganz nahe und kennen die Nöte vor Ort. Missio Österreich stellt ihre Erfahrungen in der Projektarbeit zur Verfügung und will Austausch schaffen, von hier zu dort und von dort zu hier.

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