Kampf gegen die Spaltung der Gesellschaft

Bisher galt das westafrikanische Land als beispielhaft für ein friedliches Miteinander von Christentum und Islam. Doch nun breitet sich der Terror aus und ein emeritierter Bischof will vermitteln.

allewelt Mai/Juni 2021

Burkina Faso ist ein westafrikanischer Staat, der südlich des Nigerbogens liegt. Übersetzt heißt er: „Land des aufrichtigen Menschen“. Doch die reale Situation hat mit Aufrichtigkeit phasenweise wenig gemein, wie etwa das Schicksal von Rodrigue Sanon zeigt. Am 19. Jänner 2021 ist der katholische Priester mit seinem Auto unterwegs in die Provinzhauptstadt Banfora, doch dort kommt er nie an. Sein Fahrzeug wird verlassen am Straßenrand gefunden, Tage später taucht sein Leichnam in einem Waldstück etwa 20 Kilometer von Banfora entfernt auf – er wurde ermordet.

Vorbild im Miteinander

In Burkina Faso kommt es vermehrt zu Angriffen auf Gläubige, Geistliche und Kirchen. Und das obwohl der Staat lange als beispielhaft für ein friedliches Zusammenleben zwischen den Religionen galt. Von den 21,4 Mio. Einwohnern lebten bis vor kurzem die 62 Prozent Muslime friedlich mit den 23 Prozent katholischen Gläubigen zusammen. In vielen Familien gibt es sogar Anhänger verschiedener Religionen, weiß der katholische Erzbischof von Ouagadougou, Kardinal Philippe Ouédraogo, aus eigener Erfahrung im „Deutschlandfunk“ zu berichten:

Kardinal Philippe Ouédraogo

„Eine meiner Schwestern war Muslimin. Sie ist es bis zu ihrem Tod geblieben und ein Teil ihrer Kinder bekennt sich ebenfalls zum Islam, der andere hingegen zum Christentum.

Kardinal Philippe Ouédraogo

Gezielte Angriffe auf Gläubige

Dieses einzigartige friedliche Miteinander bekommt zunehmend Risse – sowohl Christen, als auch moderate Muslime und Protestanten sind seit geraumer Zeit vermehrt Zielscheiben des Terrors. Islamistische Bewegungen aus dem Nachbarland Mali haben sich ausgebreitet, sowie die Terrormiliz „Islamischer Staat“. Außerdem gibt es seit 2016 auch eine erste burkinische Terror-Gruppierung. Daneben sorgen Straßenräuber, organisierte Banden und Milizen für eine unsichere Lage. Aktuell sind daher eine Million Menschen innerhalb des Landes auf der Flucht – eine kaum beachtete humanitäre Krise ist die Folge. Im Verfolgungsindex der Organisation „Open Doors“ reiht sich Burkina Faso auf dem 32. Platz der für Christen unsichersten Länder der Welt ein.

Lösungssuche und Hilfslosigkeit

Die Politik sucht zwar nach Lösungen, um den wachsenden islamistischen Einfluss in der Gesellschaft zu bekämpfen, hat diese aber noch nicht gefunden. In all dem zunehmenden Terror sind es deshalb vor allem Christen wie der emeritierte Erzbischof von Koupela, Séraphin François Rouamba, der in den lokalen Medien zu Vergebung und zum friedlichen Miteinander aufruft: „Wir haben Jahre über Jahre zusammen gearbeitet: Muslime, Protestanten, Katholiken, Anhänger traditioneller Religionen. Wir sind immer gemeinsam Hand in Hand gegangen. Aus diesem Grund dürfen wir nicht zulassen, dass uns diese schrecklichen Taten trennen.“

UNSERE ZAHL

erinnert an die Geschichte des katholischen Staates in Asien

500 JAHRE CHRISTENTUM AUF DEN PHILIPPINEN

Am 16. März 1521 entdeckte der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan die philippinischen Inseln. Er nimmt diese für die Krone Spaniens, in deren Dienst er stand, in Besitz und leitet die Evangelisation des Landes ein. 500 Jahre später sind die Philippinen der katholischste Staat Asiens. Etwa 80 Prozent der 109 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner sind gläubig, die Kirche hat großen Einfluss. Seit einigen Jahren herrschen aber Spannungen und es mehren sich Angriffe auf Priester. Geschürt wird der Konflikt durch aggressive Äußerungen des Präsidenten Rodrigo Duterte, da sich die Kirche aktiv gegen seine unmenschliche Drogenpolitik stellt, bei der er Verdächtige ohne Prozess erschießen lässt. 500 Jahre Christentum sollen auf den Philippinen trotzdem gebührend gefeiert werden, aufgrund von Corona allerdings erst 2022. Im Vatikan hat aber Papst Franziskus am 14. März bereits eine Messe zu Ehren der Philippinos gefeiert.

Quelle: Vatican News

Wussten Sie schon, dass …

es Christen in Malaysia lange verboten war, „Allah“ zu schreiben? 
Das ist jetzt zum Glück nicht mehr so. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit dürfen Christen in Malaysia in der Landessprache wieder das Wort „Allah“ für Gott benutzen. Das oberste Gericht hob vor kurzem das Verbot auf, „Allah“ in christlichen Texten zu gebrauchen. Die Regelung war einst auf Druck islamistischer Gruppen erlassen worden.

der Papst einen Lamborghini besaß, den er für einen guten Zweck versteigern ließ?

Im Jahr 2017 bekam Papst Franziskus vom Autobauer Lamborghini einen Sportwagen geschenkt. Statt ihn zu fahren, versteigerte er den 580 PS-Schlitten. Dabei kamen 900.000 Euro zusammen. Das Geld ging unter anderem an die Gemeinschaft Papst Johannes XXIII. die sich um die Opfer von Prostitution und Menschenhandel kümmert, an Hilfsprojekte für Christen im Irak oder an ein Priesterseminar auf Haiti.

… es in Ägypten einen „Jesus-Weg“ gibt?

Touristen können nun den Spuren der Heiligen Familie folgen. Derzeit wird ein Pilgerweg aus dem 13./15. Jahrhundert wiederbelebt und ausgebaut. Dieser führt an Orte, von denen angenommen wird, dass sich dort Josef, Maria und Jesus vor 2.000 Jahren auf der Flucht vor Herodes’ Soldaten nach Ägypten aufgehalten haben. Bei einem dieser Orte handelt es sich um Samannoud im östlichen Nildelta, wo jüngst eine Gedenkstätte eröffnet wurde.

Print Friendly, PDF & Email