Bereichert in der Vielfalt

Um die Ecke Hofburg, Parlament und Bundeskanzleramt unweit der Stephansdom: Mitten im 1. Wiener Gemeindebezirk zieht die Akademie für Dialog und Evangelisation Menschen verschiedenster Weltanschauungen an. Frei und friedlich tauschen sie sich hier über Gott und die Welt aus. Tragendes Fundament ist dabei immer das Gebet.

allewelt November/Dezember 2020

Sie studieren Publizistik, Politik- oder Rechtswissenschaften. Die einen stehen kurz vor dem Abschluss, die anderen erst am Anfang ihrer Hochschul-Laufbahn. Manche kommen mitten aus dem Berufsleben und wollen einmal raus aus ihrem gewohnten Alltag. Bunter könnte die Gruppe nicht sein, die sich im Figlhaus eingefunden hat. Es ist der erste von acht Abenden des Medienlehrgangs der Akademie für Dialog und Evangelisation. Bei der Vorstellrunde wird deutlich, dass die Teilnehmenden nicht nur unterschiedliche Fächer studieren, die einen sind gläubig, die anderen Atheisten, einige engagieren sich politisch. Dass in den kommenden Wochen dementsprechend viel diskutiert werden wird, ist abzusehen. „Gemeinsam wollen wir die österreichische Medienlandschaft umrühren und mit Expertinnen und Experten hinter die Kulissen der Medien blicken“, sagt Akademieleiter Otto Neubauer.

Akademie für Dialog und Evangelisation

Vision: „Building bridges – with open hearts and open minds“ 

Gründung: 2002

Getragen von: Gemeinschaft Emmanuel

Die Studierenden treffen sich zu diesem Medienkurs an einem geschichtsträchtigen Ort, wie Otto Neubauer gleich zu Beginn erklärt: Im Figlhaus im Herzen von Wien. Von hier aus hat Leopold Figl gemeinsam mit Vertretern verschiedener Parteien unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erste Schritte gesetzt, um die Demokratie in Österreich wiederaufzubauen. Die katholische Gemeinschaft Emmanuel lebt in der Akademie für Dialog und Evangelisation diesen Geist der Offenheit und Dialogbereitschaft weiter. Bis heute. Auch im Medienlehrgang tauschen sich Teilnehmende, Vortragende und das Team des Figlhauses aus. Gemeinsam reflektieren sie, wie Medien sinnvoll genutzt werden können oder wer eigentlich Nachrichten macht. Besonders daran: Jede und jeder bringt das eigene Leben, die eigenen Erfahrungen ein. Die teils prominenten Vortragenden teilen Geschichten aus dem Redaktionsalltag, geben praktische Tipps, wie eigene Texte gelingen. So motiviert und ausgerüstet, wollen manche Teilnehmende nach dem Kurs gleich selbst journalistisch tätig werden.

Akademie für Dialog und Evangelisation

Nach dem Vorbild von Leopold Figl betreibt die internationale katholische Gemeinschaft Emmanuel seit 2002 die Akademie für Dialog und Evangelisation im Zentrum Wiens. Im „Geist des Dialogs und beherzter Glaubenskraft“ versammeln sich im Figlhaus Menschen unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen.
Die Akademie bietet Lehrgänge und Dialogplattformen mit namhaften Partnerinnen und Partnern zu den Themenbereichen „Europa & Politik“, „Mission & Dialog“ sowie „Medien & Kultur“ an. Die Angebote stehen Studierenden und Berufstätigen aus allen Fachrichtungen offen. Speziell für Pfarren und Diözesen gibt es das Programm „Mission Possible“. Anhand von zehn Punkten wird vermittelt, wie es gelingt, den Glauben auf zeitgemäße Art weiterzugeben und in der Gemeinde etwas zu bewegen.

Drei Fragen an …

Otto Neubauer,

Leiter der Akademie für Dialog und Evangelisation

Otto Neubauer

1 |  Was bedeutet Mission für dich?

Mission bedeutet für mich schlicht, das Glück, das ich erfahren habe, mit anderen zu teilen. Ich bitte täglich darum, dass mir die Menschen dieser Stadt einfach zu Herzen gehen. Alles beginnt mit dem täglichen fürbittenden Gebet für konkrete Menschen. Das verändert meinen Blick, er wird – hoffentlich – spürbar gütiger und schenkt Sehnsucht nach dem direkten Kontakt.

2 | Was sind die größten Herausforderungen für die Kirche heute?

Wir müssen uns aus unseren festgefahrenen und geschlossenen Systemen herausbewegen. Es braucht ein neues freudiges Zeugnis mitten in der Gesellschaft. Der entscheidende Lernprozess passiert zuerst gemäß dem Beispiel Jesu ganz „unten“, in der unmittelbaren Begegnung von Angesicht zu Angesicht – beim Nachbarn, auf der Straße, beim Friseur, in den Gefängnissen usw. Innerhalb der Kirche brauchen wir einen neuen Aufbau von „Jüngerschaft“ in den Gemeinden, also Missionsschulungen, kleine christliche Gemeinschaften.

3 | Was ist deine Mission für Österreich und darüber hinaus?

Basierend auf einem Lernprozess von über 25 Jahren mit Pfarrgemeinden vor Ort haben wir das Begleitungs- und Schulungs-Modell „Mission Possible“ für die Gemeinden und Diözesen entwickelt. Mit der Frage „Wo würde Jesus heute hingehen?“ entdecken Gemeinden aus sich heraus eine missionarische Perspektive und bekommen so den Mut, die schützenden Kirchenmauern zu verlassen und konkrete Initiativen zu setzen.

Therese Mayrhofer

THERESE MAYRHOFER

Missio-Referentin

Diözesandirektion Salzburg

Mission heißt für mich …

… Jesus Christus zu den Menschen zu bringen, nicht immer mit Worten, sondern allein schon, weil Er in mir wohnt und hoffentlich auch durch mich wirkt.

Es ist mir wichtig, der Person an sich zu begegnen, mich für sie zu interessieren, egal, ob sie mir nah- oder fernsteht. „Anfangs glaubte ich, bekehren zu müssen. Inzwischen habe ich gelernt, dass es meine Aufgabe ist zu lieben. Und die Liebe bekehrt, wen sie will.“ Diese Aussage der Heiligen Mutter Teresa, die den 9. Tag unserer Novene zur Vorbereitung auf den Weltmissions-Sonntag prägt, spricht mir tief aus dem Herzen.

Wenn ich den Glauben anspreche, ganz einfach, weil dieser Teil meines Lebens ist, dann spüre ich sehr rasch , wie offen das Gegenüber ist und wie er/sie auf das Thema GOTT reagiert. Sicherlich ist es besser, von den eigenen Erfahrungen zu sprechen, als den anderen belehren zu wollen, doch manchmal ist selbst das zu viel. Wenn wir Christen Widerstand spüren, dann haben wir schnell den Reflex, uns beinahe schämen zu müssen. In solchen Momenten mache ich mir bewusst, dass es eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist und sein müsste, an Gott zu glauben. Es liegt ja im Wesen des Menschen, Gott anzubeten, da wir von Ihm erschaffen wurden und dazu gemacht sind, mit Ihm in Beziehung zu treten. Diese befreiende Erfahrung, dass ich alles in Gottes Hand legen darf, wünsche ich mir für jeden einzelnen Menschen auf Erden. Der Heilige Paulus schreibt: „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes zur Rettung für jeden, der glaubt!“ (Röm 1,16)

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