Befreundet mit Gott

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Befreundet mit Gott

10.000 Kilometer liegen zwischen den Priesterseminaristen Joseph und Johannes. Beide fühlen sich von Gott berufen, es verbindet sie aber noch mehr.

Freud und Leid mit Jesus teilen

Er hätte einen gut bezahlten Job haben können, endlich der Armut entkommen. Aber Joseph Hulilo hat gespürt: Er will katholischer Priester werden. Ins Gebet versunken sitzt der junge Mann mit dem freundlichen, runden Gesicht vor der Kirche des Segerea Priesterseminars in Dar es Salaam. „Wenn ich bete, ist es wie ein gutes Gespräch mit jemandem, dem ich vollkommen vertraue, den ich liebe und von dem ich geliebt werde. Zu wissen, dass Jesus immer für mich da ist, hat mir durch viele schwere Zeiten geholfen, etwa als meine Mutter letztes Jahr gestorben ist“, erzählt Joseph. Gemeinsam mit dreizehn Geschwistern ist Joseph am Ufer des großen Tanganjikasees aufgewachsen. „Meine Kindheit war sehr frei, wir haben uns herumgetrieben und Fußball auf der Straße gespielt“, erinnert sich Joseph und strahlt. Von seinen Eltern habe er zu beten gelernt. „Sie haben mir beigebracht, dass ich meine Ängste genau wie meine Freude mit Jesus teilen kann.“

Damit er eine höhere Schule besuchen konnte, sparte die ganze Familie. Mit seinen guten Noten stiegen auch die Erwartungen an ihn. Insgeheim spielte Joseph aber schon lange mit dem Gedanken, Priester zu werden. „Ich habe eine Dokumentation über den Heiligen Petrus gesehen. Das hat mich tief bewegt. Er hat alles aufgegeben, um Jesus zu folgen und noch heute erinnern wir uns an ihn. In dem Jahr habe ich mich entschieden Priester zu werden“, sagt Joseph. Die Sorge um die finanzielle Zukunft der Familie und enttäuschte Hoffnungen machten ihm die Entscheidung schwer. „Mein Vater sagte schließlich: ‚Diese Familie ist nicht deine Verantwortung, es ist meine.‘ Einmal hat er mich noch in der Soutane gesehen, das hat mich sehr stolz gemacht. Kurz darauf ist er gestorben.“

Seit Joseph ins Priesterseminar eingetreten ist, muss sich seine Familie keine Sorgen mehr um die Finanzierung seiner Ausbildung machen. Die Erzdiözese Dar es Salaam und Missio Österreich unterstützen ihn. Die Arbeit von Missio bedeutet für Joseph aber mehr als finanzielle Unterstützung. „Manche Menschen glauben, die Bibel sei ein altes Buch, das nichts mit unserem Leben heute zu tun hat. Aber Missio zeigt, wie das Evangelium gelebt werden kann.“

Auf Du und Du mit Gott

Bergsteigen, in der Landwirtschaften helfen, unter „ganz normalen“ Leuten sein – das war Johannes Eibensteiners Welt. Ein Leben im Dienst der Kirche? Für ihn unvorstellbar. Doch in einem Jahr ist es so weit: Johannes kommt mit der Diakonenweihe dem Priestertum einen Schritt näher.
„Eigentlich hab ich ein bisschen Angst davor gehabt, dass ich zum Priester berufen sein könnte, das wollte ich eigentlich nicht“, lacht Johannes. In seiner Jugendzeit bestehen seine Eltern nicht mehr auf dem sonntäglichen Kirchgang, für ihn ist erst einmal Schluss mit Kirche. Seine Beziehung zu Gott verliert der gebürtige Niederösterreicher nicht. „Meine Eltern haben immer mit uns Kindern gebetet. Da haben wir einfach mit Gott gesprochen – auf Du und Du. Das hat mich immer durchgetragen“, sagt Johannes. Den Gedanken, Priester zu werden, lässt er lange nicht zu. Er beginnt ein Studium an der Universität für Bodenkultur, hat eine Freundin und denkt daran, sie eines Tages zu heiraten. „Aber ich habe gemerkt, das passt nicht ganz, ich habe eine irre Sehnsucht nach Gott gespürt.“  In Spanien, wo er ein Auslandssemester macht, spürt er Gott ganz nahe. „Dadurch habe ich die Freiheit bekommen zu sagen: Eigentlich ist es mir egal, welchen Weg ich wähle. Wenn ich mit diesem Gott durchs Leben gehe, werde ich auf jeden Fall glücklich.“ Seinen Freunden von seiner Berufung zu erzählen, fällt Johannes nicht leicht. Vielen von ihnen ist die Kirche fremd. Die Reaktion seiner Freunde überrascht ihn damals sehr: „Mit vielen Freunden sind dadurch Gespräche auf einer tieferen Ebene entstanden, die vorher nicht möglich waren. Das war wirklich ein Geschenk“, erzählt er. Viele Menschen in Österreich fühlen sich nicht mit der Kirche verbunden, viele treten aus. Johannes ist froh, in dieser spannenden Zeit Priester zu werden. „Die Leute wissen nichts mehr über Religion und haben keine Erfahrungen. Dadurch sind auch oft Vorurteile weg, da kann etwas Neues entstehen!“ Johannes möchte seine Erfahrung mit anderen teilen, dass Gott etwas mit unserem Leben zu tun hat und es zum Positiven verändern kann. „Ich würde mir wünschen, dass sich Priester und Laien für diese gemeinsame Mission gleich verantwortlich fühlen.“

2018-06-18T09:07:34+00:00