Bedingungslose Mutterliebe

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Vor Ort im Kongo

Im Nordosten des Kongo haben die Vereinten Nationen Blauhelme stationiert, um die Bevölkerung und Flüchtlinge vor Rebellen zu schützen. Die Hilfsorganisationen sind zu den Hotspots neuer Konflikte weitergezogen. Eine Ordensfrau bleibt. Sie wird zur Mutter vieler Flüchtlings- und Waisenkinder.

Metallisch tommelt der tropische Regen auf das Wellblechdach. In die Lehmziegelbaracke fällt kaum noch Licht. Wie Nebel kriecht die Dämmerung aus dem Busch, schiebt sich unaufhaltsam voran und wirft Straßen und Hütten ihren grauen Mantel über. Die Nacht kommt schnell am Äquator.

Abend für Abend verwandeln Frauen und Kinder den 30 Quadratmeter großen Raum mit wenigen Handgriffen in einen Schlafsaal. Es dauert nur ein paar Minuten und rennten Kammer hinlegen, die kaum größer ist als ihr Bett. Wenn eines der Kinder weint, steht sie auf – wenn es sein muss, ein Dutzend Mal pro Nacht. Alle hier nennen sie „Maman“. „Maman“ ist Ordensfrau und Mutter von 32 Jungen und Mädchen – die meisten sind Waisen, andere wurden von ihren Eltern vernachlässigt oder ausgesetzt wie ein Tier, das einem lästig geworden ist. Immer wieder kommen auch Frauen mit Neugeborenen, deren Mütter im Wochenbett gestorben sind. Denn bei Schwester Angélique gibt es kostenlos Säuglingsnahrung. „Wenn ich diese Kinder die gestampfte Erde, auf der tagsüber die Kinder gespielt haben, verschwindet unter Matten und Decken, Klappliegen und derbettchen.

Mütter teilen sich mit ihren Babys das Bett, Klein- und Schulkinder liegen zu Dritt oder Viert auf einer Matratze. Inmitten der Betten sitzt, in sich versunken, eine Frau und füllt Milchpulver ab: Angélique Namaika bereitet die Fläschchen für die Nacht vor. Sie selbst wird sich später in einer vom Schlafsaal abgesehe, habe ich Mitleid“, sagt die 50-Jährige. „Sie haben ein Recht auf Leben und Schutz.“

Ihre Lehmbaracke ist das einzige Waisenheim in Dungu, einer see lenlosen Stadt im Nordosten des Kongo. Eine kleine Hütte auf dem Hof dient als Küche, ein Holztisch im Freien mit ein paar bunten Plastikschüsseln als Spüle. Ein wenig abseits steht das Bad: Plumpsklo und ein Holzverschlag, um sich zu waschen. Das Wasser holen sie 300 Meter entfernt an einer Pumpe. Die Frauen, die mit den Säuglingen gekommen sind, packen in der Küche mit an und rühren in den riesigen Blechtöpfen über dem Feuer.

Metallisch tommelt der tropische Regen auf das Wellblechdach. In die Lehmziegelbaracke fällt kaum noch Licht. Wie Nebel kriecht die Dämmerung aus dem Busch, schiebt sich unaufhaltsam voran und wirft Straßen und Hütten ihren grauen Mantel über. Die Nacht kommt schnell am Äquator.

Abend für Abend verwandeln Frauen und Kinder den 30 Quadratmeter großen Raum mit wenigen Handgriffen in einen Schlafsaal. Es dauert nur ein paar Minuten und rennten Kammer hinlegen, die kaum größer ist als ihr Bett. Wenn eines der Kinder weint, steht sie auf – wenn es sein muss, ein Dutzend Mal pro Nacht. Alle hier nennen sie „Maman“. „Maman“ ist Ordensfrau und Mutter von 32 Jungen und Mädchen – die meisten sind Waisen, andere wurden von ihren Eltern vernachlässigt oder ausgesetzt wie ein Tier, das einem lästig geworden ist. Immer wieder kommen auch Frauen mit Neugeborenen, deren Mütter im Wochenbett gestorben sind. Denn bei Schwester Angélique gibt es kostenlos Säuglingsnahrung. „Wenn ich diese Kinder die gestampfte Erde, auf der tagsüber die Kinder gespielt haben, verschwindet unter Matten und Decken, Klappliegen und derbettchen.

Mütter teilen sich mit ihren Babys das Bett, Klein- und Schulkinder liegen zu Dritt oder Viert auf einer Matratze. Inmitten der Betten sitzt, in sich versunken, eine Frau und füllt Milchpulver ab: Angélique Namaika bereitet die Fläschchen für die Nacht vor. Sie selbst wird sich später in einer vom Schlafsaal abgesehe, habe ich Mitleid“, sagt die 50-Jährige. „Sie haben ein Recht auf Leben und Schutz.“

Ihre Lehmbaracke ist das einzige Waisenheim in Dungu, einer see lenlosen Stadt im Nordosten des Kongo. Eine kleine Hütte auf dem Hof dient als Küche, ein Holztisch im Freien mit ein paar bunten Plastikschüsseln als Spüle. Ein wenig abseits steht das Bad: Plumpsklo und ein Holzverschlag, um sich zu waschen. Das Wasser holen sie 300 Meter entfernt an einer Pumpe. Die Frauen, die mit den Säuglingen gekommen sind, packen in der Küche mit an und rühren in den riesigen Blechtöpfen über dem Feuer.

DIE DEMOKRATISCHE REPUBLIK KONGO

Mit seinen fast 83 Millionen Einwohnern beheimatet der Kongo etwa 200 Volksgruppen. Er gilt als zerfallender Staat, gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und beherbergt weltweit die meisten Binnenflüchtlinge: Nach jüngsten Schätzungen des UNHCR sind zur Zeit 3,7 Millionen Menschen im Kongo auf der Flucht. Die Fluchtursachen sind regionale Konflikte, blutige Auseinandersetzungen zwischen Militär und Opposition und der Kampf um Rohstoffe wie Gold, Kobalt und Coltan, die vor allem im Osten des Landes abgebaut werden. Seit Dezember 2016 regiert Präsident Joseph Kabila ohne Mandat und kämpft für eine dritte Amtszeit, die ihm laut Verfassung nicht zusteht.

Flüchtling im Niemandsland

Das Flüchlingsviertel in Dungu ist ein trostloser Ort. Armselige Hütten, zusammengeflickt aus dem, was die Not hergibt: Stroh, Äste, Bananenblätter, Plastikplanen. Auf manchen ist noch blass ein UNH-CR-Aufdruck zu erkennen. Es ist lange her, dass die Helfer der Vereinten Nationen hier waren. 2009, als Hunderte aus der Grenzregion zwischen Kongo, Uganda, Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik auf der Flucht vor der LRA hier strandeten, haben sie ihnen diesen Flecken Erde zugewiesen. Ein Stück Niemandsland irgendwo in Dungu, dieser staubigen Straßensiedlung mit angeblich drei Millionen Einwohnern, die in der Fläche verschwinden.

Schwester Angelique - Kongo

„Diese Kinder haben ein Recht auf Leben und Schutz.“

Schwester Angelique
Aimee - kongo

„Wir haben sie nicht kommen sehen. Sie hatten Gewehre, mache auch Stöcke oder Macheten.“

Aimée

350 Flüchtlinge leben noch in der Siedlung. Wenn Schwester Angélique kommt, ist es, als käme eine alte Freundin. Sie geht von Hütte zu Hütte, nimmt sich Zeit, hört zu, fragt, ob jemand Hilfe braucht. Ihre Füße stecken in Gummisandalen, um die Hüft en hat sie ein buntes Tuch mit einem Bild der „Seligen Anuarite“ geschlungen. Die 1964 von Rebellen entführte und getötete Ordensfrau ist die erste selig gesprochene Kongolesin und wird im ganzen Land verehrt. Wenn Schwester Angélique geht, wippt Anuarite bei jedem Schritt mit. Von Anfang an hat sich die Ordensfrau um Flüchtlinge in Dungu gekümmert. Im Schatten des Mbele-Baums hat sie den ersten Nähen, Lesen und Schreiben beigebracht. Jeanne Mwatedi kriecht aus einem winzigen Zelt, umarmt Schwester Angélique und berichtet stolz von ihrem Nebenverdienst. Jeanne braut Araki, das örtliche Bier. Mit dem Verkauf ho fft sie, das karge Familieneinkommen ein wenig aufzubessern.

Andere übernehmen Gelegenheitsarbeiten. Sie alle versuchen, sich mit dem Mangel zu arrangieren. „Aber wir können uns nicht daran gewöhnen“, sagt Olivier Mbuwira, den die Flüchtlinge zu ihrem Dorfchef gewählt haben. „Wir bleiben Fremde. Die Leute hier haben seit Generationen Konzessionen für die Felder und für die Viehzucht. Zu Hause hatten wir größere Grundstücke.“

Doch zurückzugehen, wäre lebensgefährlich. In Dungu sind die Flüchtlinge wenigstens sicher. Im Rahmen ihrer Kongo-Mission Monuscu haben die Vereinten Nationen hier ein Bataillon Blauhelme stationiert. Die UN schätzt die LRA in der Grenzregion auf nicht mehr als 150 Mann. Aber im Busch sind die Rebellen den ortsfremden UN-Truppen aus Marokko weit überlegen. „Mittlerweile“, erläutert ein UN-Mitarbeiter, der nicht genannt werden möchte, „wird die LRA eher als kriminelles Netzwerk und weniger als ideologische Gruppe betrachtet. Sie lebt vom Elfenbeinschmuggel.“

Das Dorf der Hoffnung

„Aber das reicht nicht, um sie zu ernähren“, erklärt Schwester Angélique. „Am Anfang gab es noch Lebensmittelzuteilungen und eine Kuh für die Ankömmlige. Doch mittlerweile sind die Hilfsorganisationen längst weitergezogen zu neuen Brennpunkten der Kriege und Katastrophen im Südsudan oder der Zentralafrikanischen Republik. Schwester Angélique ist geblieben. Ihr „Dorf der Hoff nung“ wirkt wie ein trotziger Gegenentwurf zur Trostlosigkeit der Flüchtlingssiedlung. Hier steht nicht nur ihr Waisenheim. Hier hat die Lehrerin und Ordensfrau, die von Missio unterstützt wird, auch eine Kinderkrankenstation und eine Grundschule aufgebaut. Es gibt eine Kapelle, eine Bäckerei, Näh- und Catering-Kurse für die Armen und Flüchtlinge. Angefangen hat alles mit einem Säugling, den eine todkranke Mutter Schwester Angélique anvertraute. Damals wohnte sie noch im Konvent der Augustinerschwestern, war dort für die Ordensanwärter verantwortlich und kümmerte sich um die Flüchtlinge.

„Ich habe das Kind zu mir genommen. Aber mit acht Monaten ist es gestorben. Wahrscheinlich war es wie seine Mutter HIV-infi ziert, und ich hatte nicht die richtige Nahrung. Am Tag, als wir es begraben haben, brachte mir ein Großvater seinen Enkel. Die Mutter war bei der Geburt gestorben.“

Dann brachte ihr jemand Jean-Paul, zwei Monate alt.

Projekt

Heimat für kriegsversehrte Kinder

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LORD‘S RESISTANCE ARMY (LRA)

Seit die Lord‘s Resistance Army (LRA) – die selbsternannte Widerstandsarmee des Herrn – in den 1980er Jahren erstmals in Uganda auftauchte, entführt sie Jungen und Mädchen, richtet sie mit brutaler Gewalt zu willfährigen Kampfmaschinen ab, schickt sie als lebendige Schutzschilder in den Tod oder missbraucht sie als Sexsklaven. Als der Bürgerkrieg in Norduganda nach zwei Jahrzehnten beendet wurde, verlagerte die LRA ihre Terroranschläge in das Grenzgebiet zwischen der Zentralafrikanischen Republik, dem Norden Kongos und dem westlichen Teil des Südsudans. Die Vereinten Nationen werfen der LRA schwere Verbrechen mit mindestens 100.000 Toten vor.

2018-06-18T07:38:27+00:00