Aus dem Glauben erschaffen

Gottesbeziehungen können sich verschieden ausdrücken. Bei Jessie Kohn und Roland Darius spiegelt sich der Glaube in ihren Kunstwerken wider. Ihre Kreativität sehen beide als Geschenk Gottes.

von MARKUS ANDORF und KATHARINA BREINER

allewelt November/Dezember 2020

Inspiration von Gott

Jessie Kohn

KÜNSTLER

Alter: 29 Jahre

Wohnort: Salzburg, Österreich

Jessie Kohn

Gott hat in seinem Leben den ersten Platz. Es ist 4:30 Uhr und Jessie beginnt den Tag mit einer Gebetszeit. „Ich will alles Gott geben, deshalb starte ich auch mit Ihm. Und dann kann es in den Tag gehen!“, sagt der 29-jährige Jessie Kohn. Als Illustrator und Grafiker strebt er danach, dass die Menschen in seiner Kunst Gott begegnen können: „Ich bete, dass sich Gott auch in meiner Kunst zeigt und dass er meine Hände verwendet, um sein Licht scheinen zu lassen.“

Sein Grafiktablett liegt vor ihm auf seinem Oberschenkel, geschickt lässt er seinen Stift über die Oberfläche gleiten. „Es gibt viele Dinge, die ich gerne mache, aber im Studium habe ich mich in die Grafik verliebt.“ Jessie ist sich bewusst, dass er sein Talent von Gott bekommen hat und damit will er sorgsam umgehen: „Ich will der beste Illustrator sein, der ich sein kann. Gott hat mir das bewusst geschenkt, er hat einen Plan mit mir.“

Jessie gestaltet seit mittlerweile zwei Jahren regelmäßig auch für Missio Österreich Illustrationen im Magazin „allewelt“, gleichzeitig hat er viele säkulare Kunden: „Ich glaube, Gott hat mich als Künstler zu allen Menschen gerufen! Da kann ich meine Mission leben.“ Im Jahr 2018 hat Jessie das Weihnachtsalbum des weltbekannten Musikers Eric Clapton designt, letztes Jahr hat er Kunstwerke in der neuen Österreich-Zentrale von Mercedes Benz gestaltet.

Der Salzburger Künstler mit US-amerikanischen Wurzeln hat bei all seinen Aufträgen erlebt, welchen Prozess er durchmachen muss, um zu einem erfolgreichen Kunstwerk zu kommen. „Es war noch in fast jedem Projekt so, dass ich an einen Punkt totaler Verzweiflung und Entmutigung gekommen bin. Aber irgendwie fordert mich jedes Mal der Heilige Geist heraus, auf Gott zu vertrauen und weiterzumachen.“

Jessie ist dankbar für diese Erfahrungen, die er in seinem Künstler-Alltag mit Gott macht. Sie lassen ihn am Boden bleiben: „So lerne ich, dass nicht ich so gut bin, sondern dass ohne Gott gar nichts geht.“ Besonders nahe fühlt er sich Gott, wenn er Jesus-Porträts malt: „Ich sehne mich danach, Jesus zu sehen!“ Diese Sehnsucht hält er so besonders wach. Ein Leben ohne Jesus und ohne Glaube kann sich Jessie nicht vorstellen. Glaube ist für ihn kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung.

Vom Traum zum Kunstwerk

Roland Darius

HOLZKÜNSTLER

Alter: 67 Jahre

Wohnort: Léogâne, Haiti

Unter den schattenspendenden Bäumen in seinem Garten hat Roland Darius sein Werkzeug ausgebreitet. Gezielt greift der Holzkünstler nach einem der Beitel auf dem kleinen gelben Tisch. Für den Feinschliff an seinen Kunstwerken hat er die feineren Werkzeuge bereitgelegt. Hier im Freien fühlt sich Roland am wohlsten. Während um ihn herum die Blätter rascheln, die Vögel zwitschern und eine sanfte Brise weht, findet er Ruhe und Inspiration für seine Arbeiten. Die besten Ideen kommen dem Künstler jedoch in der Nacht, in seinen Träumen. „Manchmal“, sagt Roland, „stehe ich nachts auf, weil ich einen inspirierenden Traum habe. Dann greife ich gleich zu Papier und Bleistift, um die Eingebungen festzuhalten.“ Das ist seine große Stärke: sich seine Kunstwerke zuerst geistig vorzustellen und sie dann aus dem Kopf zu reproduzieren. Jeden Tag dankt er Gott für diese Gabe der Kreativität. Seine Kunstwerke drücken immer auch seinen Glauben, seine Verbindung zu Gott aus: „Ich darf selbst zum Schöpfer werden, allerdings brauche ich oft mehrere Versuche, bis mein Werk perfekt ist.“

Die Liebe zur Kunst und besonders zur Schnitzerei entdeckte Roland schon sehr früh. Als Kind beobachtete er oft seinen älteren Bruder André, wenn dieser aus einem Stück Holz ein neues Kunstwerk schnitzte. Diese Faszination hat ihn nicht mehr losgelassen und er beschloss, es selbst zu versuchen. Unter Anleitung seines Bruders entfaltete Roland nach und nach sein Talent für die Holzschnitzerei und entwickelte seinen eigenen Stil. Mit 25 Jahren wagte er den Schritt und machte sich selbstständig. Kein geringes Risiko, wie Roland sagt. Hat er doch eine Familie zu ernähren. Mittlerweile ist Roland Darius ein bekannter Künstler in seiner Heimat Haiti. Seinen vier Kindern konnte er dank seiner Arbeit eine gute Ausbildung ermöglichen. Zu gerne würde er ihnen seine Werkstatt vererben, doch zu seinem großen Bedauern interessiert sich keiner der vier Söhne für das Schnitzhandwerk. Immer wieder helfen sie allerdings ihrem Vater, seine Kunstwerke zu verkaufen. Durch die Corona-Pandemie bekommt Roland momentan jedoch keine Aufträge – eine große Herausforderung für die Familie. Das, was dem Künstler jetzt noch Halt gibt, ist der Glaube. Im Gebet, sagt Roland, findet er Kraft und Inspiration, besonders in diesen schwierigen Zeiten.

Roland Darius