Sacré Coeur: Auf Augenhöhe voneinander lernen

Uganda: Eine Partnerschaft zwischen den Sacré Coeur-Schulen in Österreich und einer Volksschule in Uganda lässt Jugendliche über den Tellerrand blicken und zeigt, wie christliche Nächstenliebe gelebt werden kann.

allewelt September/Oktober 2020

„Anfangs kam uns Uganda sehr weit weg vor“, berichten Karoline und Manuel aus Wien von ihrer Reise zu ihrer Partnerschule, doch das änderte sich schnell: „Als wir angekommen sind, waren wir beeindruckt vom Singen und Tanzen der Kinder und wir wussten von Anfang an, dass diese Schule unser zweites Zuhause wird.“ Dieses zweite Zuhause befindet sich in einem ärmlichen Stadtteil von Jinja und heißt St. Bernadette Primary School. Rund 1.400 Kinder besuchen die Volksschule und sind stolz darauf, denn sie ist eine der besten der Region. „Manche Kinder kommen zu Fuß von weit weg, um diese Schule besuchen zu können“, erzählt Schwester Lucy Kabagweri. Die ugandische Sacré Coeur-Schwester leitet St. Bernadette und weiß, wie schwer es viele ihrer Kinder haben. Einige haben ihre Eltern verloren und leben bei Verwandten, deren Geld oft kaum zum Überleben reicht. Viele können sich weder Schulgeld noch Hefte und Stifte leisten. Dann springen Schülerinnen und Schüler in Österreich für ihre ugandischen Kollegen ein.

Austausch und Verbundenheit

Seit bald 15 Jahren setzen sich Jugendliche und ihre Lehrerinnen und Lehrer der Sacré Coeur-Schulen in Wien, Pressbaum, Graz und Riedenburg für ihre Partnerschule ein und werden dabei von Missio Österreich unterstützt. Mit kreativen Klassenprojekten, Flohmärkten, Keksbuffets und dem Sophie-Barat-Lauf, benannt nach der Gründerin des Sacré Coeur-Ordens, sammeln sie Geld und ermöglichen so den Schulbesuch von vielen Kindern. Durch ihren Einsatz konnten sogar marode Klassenräume und Sanitäranlagen erneuert werden. Und auch der Kindergarten, der ebenfalls zur Volksschule gehört, hat einen Spielplatz bekommen.

Um einander besser kennenzulernen, besuchten Jugendliche und ihre Lehrerinnen aus Wien die Schule in Jinja und lernten die schönen und schweren Seiten des Lebens ugandischer Kinder kennen. Auch Absolventinnen und Absolventen der Sacré Coeur-Schulen bleiben ihrer Partnerschule verbunden. Im vergangenen Jahr besuchte etwa die Studentin Crystel Astorga Schwester Lucy und die Kinder von St. Bernadette und half im Unterricht und bei der Kinderbetreuung mit. „Vom ersten Moment an habe ich mich in Uganda vollkommen fremd gefühlt, vollkommen willkommen, vollkommen anders und vollkommen gleich. Die Gegensätze zu meiner Welt sind groß, die Ähnlichkeiten größer“, fasst sie ihre Erfahrung zusammen.

Selfie von Crystel mit Schülerinnen und Schülern

„Ich werde nie vergessen, dass ich in eine andere Welt gereist bin. Als ich nach Hause zurückgekommen bin, habe ich meine Welt nie mehr so gesehen, wie vorher.“ 

Crystel Astorga

WAS ICH NIE VERGESSEN WERDE:

… den Sommer des Jahres 2019. Die Gastfreundschaft. Das Lächeln. Die Fragen nach Fotos und wie es ist, in einem Flugzeug zu fliegen. Die Einsicht, was für wundervolle Menschen unser Planet beheimatet. Die Frage, warum wir ihnen nicht mehr helfen, wo doch so wenig (in unseren Augen) so viel (in ihren Augen) sein kann. Ich werde nie vergessen, wie damals ein Feuer für Uganda in mir ausgebrochen ist, um mehr Möglichkeiten für unsere Kinder dort zu schaffen. Es sind doch unsere Kinder, oder nicht? Leben wir nicht alle unter demselben Dach des Planeten Erde? Was entfernt uns voneinander? Öffnen wir unsere Augen für das Leben anderer Menschen!

Hilfe in Zeiten der Not

Wenige Monate später haben sich dann auch Schwester Lucy und Mathelehrer Tom Kiguli auf den weiten Weg nach Österreich gemacht, um Schülerinnen und Schülern hierzulande aus erster Hand vom Schulalltag in Uganda zu berichten. „Die jüngeren Kinder haben sich sehr dafür interessiert, welche Sportarten den Kindern in Uganda gefallen, was sie am Nachmittag tun und was sie in welchen Fächern lernen. Die Oberstufe hat dann auch gefragt, wie der Schule konkret geholfen werden kann“, erzählt Astrid Weninger, Lehrerin am Sacré Coeur Wien und verantwortlich für die Schulpartnerschaft.

Sie möchte, wenn es wieder möglich ist, eine weitere Schulreise nach Jinja unternehmen, um den Austausch unter den Schülerinnen und Schülern zu fördern. „Es geht bei der Schulpartnerscha darum, dass es nicht nur ein Spendensammeln ist, sondern, dass man gegenseitig Zeit miteinander verbringt, Erfahrungen macht und den Horizont erweitert“, so die Englisch- und Religionslehrerin.

Bis es so weit ist, wird es wohl noch dauern, die Corona-Krise hat Uganda fest im Griff. Die Schulen, die im Juni wieder geöffnet werden sollten, sind Anfang August nach wie vor geschlossen. Lehrerinnen und Lehrer, deren Gehälter bisher von den Eltern bezahlt wurden, können sich die Miete nicht mehr leisten. Familien, deren Kinder auf eine kostenlose Mahlzeit in der Schule angewiesen sind, hungern. Für einige Kinder ist das wohl das Ende ihrer Schullaufbahn, befürchtet Schwester Lucy. Mit der Hilfe von Missio und den österreichischen Sacré Coeur-Schulen soll der Hunger gelindert und zumindest die Grundbedürfnisse der ärmsten Familien gedeckt werden. Jeder Euro hilft, denn ein Kilogramm nahrhafter Bohnen kostet umgerechnet nur einen Euro und macht eine Familie einen Tag lang satt.

CORONA-NOTHILFE

Durch die Corona-Krise haben viele Familien in Uganda ihr Einkommen verloren und kämpfen mehr denn je ums Überleben. Um ihren Schulkindern und Lehrkräften zu helfen, versorgt Volksschuldirektorin Schwester Lucy Kabagweri sie mit Grundnahrungsmitteln und Seife. Bitte helfen auch Sie!

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