Auf der steten Suche nach Gott

Kaum eine zeitgenössische Musik wird heute so viel aufgeführt, wie die des estnischen Komponisten Arvo Pärt, dessen offenes Bekenntnis zum Christentum viele als Provokation betrachten. Seine einzigartigen Klangwelten sind ein Gebet. Sie entstehen in der Stille und führen wieder in die Stille.

allewelt März/April 2021

Arvo Pärt im Wald

„Die Religion spielt eine wichtige Rolle in meiner Komposition, aber ich bin nicht wirklich in der Lage zu sagen, wie es funktioniert. Ich schreibe nur. Ich habe nichts zu sagen. Die Musik sagt, was ich sagen muss. Die Kunst sollte sich mit dem Unvergänglichen und nicht nur mit dem Aktuellen beschäftigen.“

„Tod und Leiden sind die Fragen, die jeden Menschen beschäftigen, der in die Welt geboren wird. Davon, wie er diese Fragen löst oder nicht löst, hängt seine Lebenseinstellung ab – ob bewusst oder unbewusst. So habe ich ein Klagelied geschrieben, ein Lamento, nicht für Tote, sondern für uns Lebende, die es nicht leicht haben, mit dem Leid der Welt umzugehen.“

„Die Ewigkeit bedeutet, dass der Anfang immer ist, immer existiert. Das Wunder der Schöpfung besteht darin, dass es niemals endet, nie aufhört, von neuem geboren zu werden. Der Anfang ist immer.“

„Mit der Existenz meiner Tintinnabuli-Kompositionstechnik möchte ich gewissermaßen unterstreichen, dass die Wahrheit Gottes ewig ist, dass diese Wahrheit einfach ist und der Weg dorthin gerade. Man möchte direkt zu ihr hingehen.“

ARVO PÄRT

wird 1935 in Estland geboren, mit 14 Jahren entstehen seine ersten Werke. Von 1958 bis 1963 studiert Arvo Pärt Komposition in Tallinn. In den 1960er Jahren experimentiert Pärt mit der Zwölftonmusik. 1968 entsteht das Werk „Credo“. 1972 tritt Pärt in die russisch-orthodoxe Kirche ein. Während einer schöpferischen Pause (1968-1976) entdeckt er die Gregorianik und entwickelt den eigenen „Tintinnabuli-Stil“. 1980 emigriert Pärt mit seiner Familie nach Wien. Ein Jahr später übersiedeln sie nach Berlin, wo die meisten seiner Werke entstehen. Seit 2010 lebt Pärt wieder in Estland. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Preise, darunter 2014 den Kulturpreis „Praemium Imperiale“ des Japanischen Kaiserhauses. 2017 überreicht ihm Papst Franziskus den Joseph-Ratzinger-Preis.

„Ich war auf der Suche nach einer Klanginsel, auf der Suche nach einem ‚Ort‘ in meinem tiefsten Inneren, in dem – sagen wir so – ein Dialog mit Gott entstehen könnte. Ihn zu finden, wurde zu einer lebenswichtigen Aufgabe.“

„Ohne Gottesfurcht gibt es keine Musik – und auch kein wirkliches schöpferisches Tätigsein. Die Inspiration durch das Göttliche muss man in Situationen suchen, in denen der Mensch seine Abhängigkeit von seinem Schöpfer spürt.

„Kunst kann sehr vielschichtig sein. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Gott und Künstler; befindet er sich auf dem Weg des Friedens zu Gott oder auf dem Kriegspfad zu Ihm?“

„Die Gregorianik war für mich in den 1960er Jahren eine wirkliche Entdeckung. Ich wusste: Das ist das, was ich brauche. Ich glaube, diese Musik ging mir so nah, nicht nur wegen der Musik, sondern vielmehr wegen des Glaubens. Im gregorianischen Choral habe ich das gefunden, wonach ich Durst hatte.“

lachender Arvo Pärt