Mission aus Österreich: An der Zukunft der Kirche mitbauen

Bereits in seiner Jugend hat sich Pater Leopold Selhofer bei der Legion Mariens missionarisch betätigt. Während seiner Priesterausbildung in Brasilien wuchs der Wunsch, als Missionar in der Weltkirche zu wirken. Nach 15 Jahren Seelsorge-Tätigkeit in Österreich ist Pater Leopold nun seit drei Jahren wieder in Zentralbrasilien.

allewelt November/Dezember 2019

„Wir haben in der Diözese Anápolis einen Überschuss an Priestern und helfen schon anderen Diözesen aus, denen die Seelsorger fehlen“, erzählt Pater Leopold lächelnd. Er ist Priester im Orden der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz oder kurz Kreuzorden genannt. Die Statistiken der erst 50 Jahre alten Diözese klingen für europäische Ohren fast unwirklich. „Das ganze Gebiet um Anápolis wurde erst vor rund 100 Jahren besiedelt. Alles befindet sich im Wachstum und Aufbau, so auch die Pfarren“, berichtet der gebürtige Niederösterreicher.

Pater Leopold Selhofer

aus der Diözese Anápolis

Kommt aus: Ternitz, NÖ

Missionar in: Brasilien

Orden: Orden der Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz (ORC), kurz „Kreuzorden” genannt

Hauptaufgabengebiet: stellvertretender Oberer der Gemeinschaft, Verwalter der Hochschule und Leiter des Exerzitienhauses

Bunte Klosterfamilie

Im „Mosteiro da Santa Cruz“, dem Kloster des Kreuzordens in der Umgebung der Industriestadt Anápolis, leben zurzeit 40 Brüder aus unterschiedlichen Ländern. „Unsere Gemeinschaft besteht zum einen aus den jungen Seminaristen, im Moment sind es 24, und zum anderen aus den Professoren. Die Herzlichkeit der brasilianischen Mitbrüder sorgt für ein sehr familiäres Miteinander“, sagt Pater Leopold. Er ist der stellvertretende Obere des Klosters und zuständig für die Ausbildung der Seminaristen. Nebenbei leitet er noch ein Exerzitienhaus der Gemeinschaft.

Im Priesterseminar und in der angeschlossenen Hochschule werden nicht nur die Mitglieder des Ordens ausgebildet, sondern Seminaristen aus der ganzen Diözese und anderen Ordensgemeinschaften. Wie viele Seminaristen es pro Jahr sind, kann Pater Leopold nicht sagen: „Das hängt immer von Gottes Vorsehung ab, aber mittlerweile können wir schon eine gewisse Stabilität bei der Anzahl der Berufungen erkennen.“

Die Freude und die Einsatzbereitschaft der Seminaristen gibt mir Mut für die Zukunft der Kirche

Pater Leopold Selhofer

Voller Vertrauen raus aus der Komfortzone

Pater Leopold Selhofer

Der jugendliche Schwung, die Einsatzbereitschaft und die Freude, die die jungen Brüder in unsere Gemeinschaft bringen, machen mir wirklich Mut. Ich sehe, dass der Glaube weitergeht. Ähnlich wie in anderen südamerikanischen Ländern sind auch in Brasilien die protestantischen Kirchen im Vormarsch. Doch wir Katholiken brauchen uns nicht zu verstecken. Wir haben unsere Stärken und Fähigkeiten, wir können den Menschen auch etwas weitergeben. Mich ermutigt es zu sehen, wie viele Berufungen wir haben und wie lebendig die Pfarren in unserer Region sind. Eine Lebendigkeit, die man in Österreich kaum findet. In den letzten Jahren hat der Bischof von Anápolis jährlich mindestens ein oder zwei Pfarren neu gegründet. Und es gehört fast zum Alltag, dass irgendwo eine neue Kirche fertiggestellt wird. Ich sehe, der Glaube wächst und wird weitergegeben.

Gottes Segen!

Drei Fragen…

Was bedeutet Mission für Sie?

Mission ist für mich in erster Linie Glaubensweitergabe: Den Reichtum, den wir von Jesus empfangen haben, weiterzugeben. Das ist unsere Sendung, unsere Aufgabe, die wir als Christinnen und Christen haben. Wir teilen das, wovon unser Herz voll ist und wollen andere Menschen mit dieser Begeisterung anstecken.

Was waren Herausforderungen? 

Die ganze Lebens- und Denkweise, auch die Seelsorge haben mich sehr herausgefordert, denn die Menschen sind recht „leichtlebig“. Die Treue im Glaubensleben ist nicht so stark gegeben wie in Österreich, wo die Tradition vieles trägt. Andererseits haben diejenigen, die in die Kirche kommen, einen lebendigen Glauben und kommen aus Überzeugung.

Wieso sind Sie Missionar geworden?

Schon als ich in den Kreuzorden eingetreten bin, war für mich klar, dass meine Oberen mich an irgendeinen Ort dieser Welt schicken können. Das hat mich gereizt und durch meine Priesterausbildung in Brasilien ist dieser missionarische Geist noch mehr gewachsen.

Marcel Urban

Young Missio

Missio Österreich

Mission heißt für mich…

…die Menschen zum HERRN – der Quelle unglaublicher Freude, Hoffnung und Liebe – begleiten zu dürfen.

In Lourdes verbanden meine Eltern zwei große Vorlieben: das Reisen und den Glauben. Sie nahmen mich schon als kleines Kind zu diesem Marienerscheinungsort mit. Die damaligen Erlebnisse prägen mich bis heute. Wir waren nicht an dem Ort, um Urlaub zu machen, sondern um den kranken Menschen zu helfen, die dort um Heilung beteten und an den Lichterprozessionen teilnahmen. Wir hoben Rollstuhlfahrer am Bahnhof aus den Zügen oder badeten Lahme. Ich merkte rasch, wie ich selbst durch diesen Dienst beschenkt wurde.

Nie werde ich vergessen, wie ein blindes Mädchen langsam in die Basilika ging und sich mit ihrer Hand an der Wand entlangtastete. Sie wurde dabei von zwei Ordensschwestern begleitet, gemeinsam beteten sie vor einem Jesusbild. Mich beeindruckte ihr Lächeln. Im Herzen verspürte ich erst Mitleid, gleichzeitig berührte mich ihre offensichtliche Freude. Mir kam es so vor, als lebte sie auf eine wunderbare Weise ihr Kindsein vor Gott und vertraute darauf, dass alles gut wird – egal, was passiert.

Als mich ein Freund fragte, warum ich jedes Jahr für zwei Wochen nach Frankreich fliege, versuchte ich ihm klarzumachen, dass ich nie einen anderen Ort erlebt habe, wo Menschen in einer unbeschreiblichen Freude zusammenkommen, wo Gesunde die unglaubliche Hoffnung der Kranken erleben und Menschen mit so viel Liebe miteinander umgehen.