Brodelnde Ränder

Papst Franziskus hat die Ausgeschlossenen ins Zentrum des weltkirchlichen Geschehens geholt.

allewelt Jänner/Februar 2020

Die Gespräche auf der sogenannten Amazonien-Synode hatten einen heiklen Punkt erreicht, da wandte sich eine Vertreterin der indigenen Bevölkerung Amazoniens direkt an das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche: „Papst Franziskus, man hat den Eindruck, dass du auf dem Weg alleine bist, aber fühle dich nicht einsam – alle indigenen Völker sind mit dir, denn du siehst uns als deine Brüder und Schwestern.“ So erinnert sich Roque Paloschi, Erzbischof von Porto Velho im Herzen Amazoniens, an die bewegende Szene. Er ist einer von zahlreichen Bischöfen, Kardinälen, Ordensleuten und Laien, die Ende Oktober an der dreiwöchigen Versammlung im Vatikan mit dem Titel Amazonien: Neue Wege für die Kirche und für eine ganzheitliche Ökologie teilnahmen. Gemeinsam mit dem Theologen Paulo Süss, der die Synode als Experte mit vorbereitet hat, berichtete er anschließend im Bildungshaus St. Virgil Salzburg über das weltkirchliche Großereignis.

Erzbischof Roque Paloschi

„Wir stehen vor einem Ökozid, einem Genozid und einem kulturellen Völkermord.”

Erzbischof Roque Paloschi

Überleben in Gefahr

Theologische Fragen und auch Lösungen kämen oft von Gruppen am Rande der Gesellschaft, „Da brodelt es, da ist was los“, so Süss. Es sei daher kein Zufall, dass Papst Franziskus gerade Amazonien zum Thema der Synode gemacht hat. Amazonien bezeichnet ein Gebiet, das sich unter anderem über Brasilien, Peru, Bolivien und Venezuela erstreckt und in dem drei Millionen Indigene leben. Ihr Leben ist durch die Zerstörung des Regenwaldes in ernsthafter Gefahr. Durch die Kolonialherrschaft der Europäer und die aktuelle Ausbeutung natürlicher Ressourcen wurde ihre Zahl drastisch dezimiert, nun müsse man sich wie Kain die Frage gefallen lassen „Wo ist dein Bruder?“, so der brasilianische Erzbischof Paloschi. Die Kirche müsse ein Beispiel für die Solidarität mit den Ausgeschlossenen sein.

UNSERE ZAHL

Unsere Zahl bezieht sich dieses Mal auf die rege Beteiligung an der Amazonien-Synode.

80.000 MENSCHEN IN AMAZONIEN WURDEN ZU IHREM LEBEN BEFRAGT

In einem noch nie dagewesenen Vorbereitungsprozess wurden Menschen aus allen Ländern Amazoniens nach ihrer Meinung gefragt. Unter ihnen sind viele Stimmen der indigenen Bevölkerung und der lokalen Kirche. Ihre Beiträge wurden in ein 100-seitiges Dokument eingearbeitet und den 185 Synodenmitgliedern vorgelegt. „Wie oft werden auch in der Kirche die Stimmen der Armen nicht gehört, vielleicht sogar verspottet oder zum Schweigen gebracht, weil sie unbequem sind!“, predigte Papst Franziskus zum Abschluss der Synode. In seiner Predigt verurteilte das Kirchenoberhaupt zudem die Verachtung fremder Traditionen und den Glauben daran, anderen überlegen zu sein. Diese Einstellung, die es auch in vielen christlichen, katholischen Gruppen gebe, verwandle sich „in Unterdrückung und Ausbeutung“. Er rief dazu auf, in sich zu gehen und zu prüfen, ob man selbst jemanden anderen als minderwertig ansehe. Abschließend bat er „um die Gnade, das laute Rufen der Armen zu hören: dies ist der Ruf der Hoffnung der Kirche“.

Quelle: Vatican News

Wussten Sie schon, dass …

auf den Philippinen Weihnachten mit vielen bunten Laternen gefeiert wird?
In dem tiefkatholischen Land ist Weihnachten keine stille, sondern eher eine schrille Zeit – manche sagen sogar, es ist die längste Weihnachtsparty der Welt: Ab September werden Häuser, Parks und manchmal sogar Autos festlich dekoriert. Besonders schön sind dabei die vielen, teilweise meterhohen, bunten Laternen, die in jedem noch so kleinen Dorf hängen. Es gibt sogar Paraden und Wettbewerbe, bei denen die schönsten Exemplare prämiert werden.

am 26. Jänner der erste „Sonntag des Wortes Gottes“ begangen wird?

Diese Initiative von Papst Franziskus soll die Rolle der Bibel im Leben der Gläubigen stärken. Aus diesem Grund wurde dieser spezielle Tag „für die Feier, Reflexion und Verbreitung der Heiligen Schrift“ ausgewählt, wie es in dem Papst-Erlass heißt. Alle Diözesen weltweit sind dazu aufgerufen, die Bibel noch mehr in den Mittelpunkt zu stellen und entsprechende Initiativen zu starten.

… es nun einen elektronischen Rosenkranz gibt?
Er soll ein Impuls sein, damit vor allem jüngere Menschen öfter beten. Beim sogenannten „eRosary“ handelt es sich um eine Perlenkette mit schwarzem Kreuz, die als Armband getragen werden kann. Und sie hilft beim Beten. Durch die Handbewegung beim Kreuzzeichen-Machen wird sie automatisch aktiviert. Dann kann man wählen, welches Gebet man beten möchte. Obendrein ist der Rosenkranz auch mit der App „Click to Pray“ verbunden, die täglich neue Gebete zur Auswahl vorschlägt.