Fragen erwünscht

In entspannter Atmosphäre zusammenkommen, gemeinsam essen und dabei über den Glauben sprechen. Eine Wiener Pfarre veranstaltet erfolgreich dieses international bekannte Kursmodell. Sie schafft einen Raum für die Fragen der Menschen, besonders derer, die mit Kirche wenig anfangen können.

allewelt Mai/Juni 2020

Eine Pfarre mit über 5.000 Katholikinnen und Katholiken im 17. Wiener Gemeindebezirk. Nur ein kleiner Teil der Menschen beteiligt sich aktiv am Pfarrleben. Der Altersdurchschnitt bei der sonntäglichen Messe liegt über 70 Jahre. So stellte sich der Pfarrgemeinderat von Dornbach die Frage: „Wie erreichen wir die Menschen, die nur noch auf dem Papier Teil der Kirche sind?“ Nach der Lektüre von James Mallons Buch „Divine Renovation“ startete das Leitungsteam der Pfarre einen Alpha-Kurs. Beim ersten Kurs kamen 60 Leute, allesamt Kirchgänger. In einem Restaurant wurden an elf Abenden unterschiedliche Themen rund um den Glauben behandelt.

Broschüren von Alpha

Alpha

Mitglieder: 24 Millionen Absolventinnen und Absolventen 

Gründung: 1990 in London

Verbreitung: in über 100 Ländern (Material in 112 Sprachen übersetzt)

Status: Alpha Österreich ist ein eingetragener Verein

Petra Huchler, pastorale Mitarbeiterin der Pfarre, ist seit dem ersten Alpha in Dornbach dabei: „Für mich waren so viele Dinge in der Kirche selbstverständlich, weil ich katholisch aufgewachsen bin. Bei Alpha habe ich gemerkt, dass es vielen Menschen heute nicht mehr so geht. Es tat meinem Glauben gut, mich mit anderen auszutauschen und neue Blickwinkel zu bekommen.“ Mittlerweile organisiert die Pfarre Dornbach schon den vierten Alpha-Kurs. Nicht mehr im Restaurant, sondern direkt im Pfarrzentrum mit Essen vom Caterer. Dadurch spüren die Menschen direkt, dass sie in der Pfarre willkommen sind, erklärt Petra Huchler. Besonders Familien kommen jetzt vermehrt zu den Messen oder zum Lobpreis. Die Eltern von Erstkommunionskindern etwa können bei Alpha in der Pfarre ganz offen Fragen stellen und verstehen danach vieles, was sie vorher an der Kirche abgeschreckt hat. Die Pfarre Dornbach geht mit Alpha und anderen Angeboten neue Wege, um die Kirche wieder zu den Menschen zu bringen. Besonders zu denen, die momentan fernbleiben.

Alpha

Aus einem kleinen Kurs in der anglikanischen Holy Trinity Kirche (HTB) in London machte Nicky Gumbel in den 1990er Jahren einen Kurs für Menschen außerhalb der Kirche, die Fragen haben und den christlichen Glauben entdecken möchten. Mittlerweile veranstalten katholische, orthodoxe und evangelische Kirchen sowie diverse Freikirchen auf der ganzen Welt Alpha-Kurse. In Österreich gibt es seit 20 Jahren den Verein Alpha Österreich. Alpha wird an unterschiedlichsten Orten wie Cafés, Pfarren, Universitäten oder Gefängnissen veranstaltet. Drei Programmpunkte sind immer fester Bestandteil: gutes Essen zu Beginn, ein Impuls über ein grundlegendes Thema des christlichen Glaubens und ein offener Austausch danach.

Drei Fragen …

an Marlene Ranetbauer, Geschäftsführerin von Alpha Österreich

Marlene Ranetbauer

1 | Was bedeutet Mission für dich?

Mission bedeutet für mich, den Auftrag, den wir von Gott bekommen haben, auszuführen. Für mich heißt das, seine Liebe weiterzugeben, Menschen in Beziehung mit Jesus zu bringen und zu lernen, andere mit Gottes Augen zu sehen.

2 | Was sind die größten Herausforderungen für die Kirche heute?

Ich glaube, eine große Herausforderung ist es, es allen recht machen zu wollen. Wir haben eine klare Botschaft und die sollten wir als Kirche zeitgemäß weitergeben. Das heißt nicht, die zentralen Werte so zu verbiegen, dass sich jeder “gut und wohl” dabei fühlt. Wir sollten als Christinnen und Christen in unserem Land für die christlichen Werke einstehen, ohne Angst, damit auch manchmal anzuecken. Authentisches Christsein fordert auch mich jeden Tag heraus.

3 | Was ist deine Mission für Österreich und darüber hinaus?

Bei Alpha haben wir eine klare Vision und Mission, die ich auch persönlich mittrage: Die Evangelisation der Nationen, die (Wieder)Belebung der Kirche und die Transformation der Gesellschaft. Alpha unterstützt die Kirche und dient ihr in ihrer Mission, Menschen zu helfen, eine Beziehung zu Jesus aufzubauen und darin zu wachsen. Ich möchte mithelfen, dass dies immer mehr Menschen erleben können.

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Gabriela Wozniak

GABRIELE WOZNIAK

Assistentin Relationship Management

Missio Österreich

Mission heißt für mich …

… alles, was ich in dem Bewusstsein tue, dass Gott durch mich wirken und andere bewegen kann, dass ich seine Liebe zeigen kann. Manchmal, wenn ich durch die Stadt gehe und die Menschen anschaue, sehe ich, wie viele unglücklich oder unerfüllt aussehen. Da erinnere ich mich immer an die Zeit, als ich als Teenager den Sinn des Lebens verzweifelt gesucht habe und nicht finden konnte. Wie leer sich so ein Leben „von Tag zu Tag“ angefühlt hat, wie hoffnungslos! Erst als Jesus in mein Leben gekommen ist, habe ich den Sinn gefunden und die Freude am Leben entdeckt. Diese Entdeckung möchte ich auch allen anderen weitergeben, jeden Tag neu und neu. Das ist für mich Mission – das Geschenk eines sinnerfüllten Lebens weiter zu schenken. Mit der Liebe zu lieben, mit der ich geliebt wurde. Die Verantwortung wahrzunehmen, dass ich weiß, wer Jesus Christus ist. Papst Franziskus ruft uns immer wieder dazu auf: „Verkündet das Evangelium jederzeit! Wenn nötig, auch mit Worten!“ Dieser Appell spricht mich sehr an. Denn für mich ist Mission nicht nur das, WAS ich tue und spreche, um Menschen für Christus zu gewinnen, sondern noch viel mehr die Art und Weise, WIE ich es tue: eine innere Aufrichtigkeit, eine Authentizität, die anzieht und die andere dazu bringt, Fragen zu stellen – schließlich meine Antwort auf die Liebe Gottes, die sich auch durch mich teilen will.