Allen Widrigkeiten trotzen

Mit der Firmung hat alles begonnen, sagt Schwester Friederika Kühnel über ihre Berufung zur Missionarin. Nach zwei Berufsausbildungen wurde die gebürtige Oberösterreicherin 1975 von ihren Ordensoberen nach Afrika geschickt. Und sie ist bis heute geblieben.

allewelt Jänner/Februar 2020

Nur ungefähr eineinhalb Stunden Flugzeit von der Hauptstadt Kinshasa entfernt liegt die Hauptstadt der Provinz Équateur, Mbandaka. Mit dem Auto braucht man in die Provinz mehr als zwei Tage, das Straßennetz in der Demokratischen Republik Kongo ist eines der schlechtesten weltweit. „In Mbandaka gibt es keine Industrie, woran auch die fehlende Infrastruktur im gesamten Land schuld ist“, sagt Schwester Friederika von den Barmherzigen Schwestern in Salzburg. Die gebürtige Oberösterreicherin wirkt seit Jahrzehnten in dem zentralafrikanischen Land, dessen politische Situation einem Pulverfass gleicht: „Sehr viele Menschen in Mbandaka arbeiten für den Staat, werden aber nicht bezahlt. Andere müssen mit Landwirtschaft und Fischfang über die Runden kommen. Wenn jemand 50 Dollar im Monat verdient, ist das schon viel.“

Friederika Kühnel neben einer Weltkarte

Schwester Friederika Kühnel

Kommt aus: Linz, OÖ

Missionarin in: Demokratische Republik Kongo (DRC)

Orden: Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul

Hauptaufgabengebiet: Arbeit im Aids-Spital der Kongregation

Ein Recht auf Gesundheit

Die Aufgaben der Barmherzigen Schwestern vor Ort sind vielfältig: Sozialarbeit, medizinische Tätigkeiten, Schulbildung und pastorale Dienste gehören dazu. Schwester Friederika kämpft seit vielen Jahren dafür, dass die Menschen der Region Équateur eine Chance auf medizinische (Grund-)Versorgung haben. Im Zentrum DREAM betreut die 73-Jährige AIDS-Patientinnen und Patienten. Dabei geht es nicht nur darum, die Männer, Frauen und Kinder mit Medikamenten auszustatten, sondern wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten und den Menschen ihre Hoffnung und Würde zurückzugeben. „Sechs unserer Mitarbeiter leiden selbst unter der Krankheit. Sie sind das wichtige Bindeglied zu den Neuankömmlingen in unserem Zentrum“, so Schwester Friederika.

Friederika Kühnel mit Kindern

„Ich bin stolz darauf, dass Gott mich zur Missionarin berufen hat.“

Schwester Friederika

Gottes Liebe in die Welt tragen

Schwester Friederika

Mit 13 Jahren (bei der Firmung) wusste ich: Ich werde in die Mission gehen. Wie, das weiß ich nicht. Und dieser Wunsch oder besser gesagt diese Berufung hat mich nicht mehr losgelassen. Während meiner Ausbildung zur Krankenschwester bei den Luisenschwestern in Salzburg habe ich gelernt, was es bedeutet, mich selbst ganz hinzugeben und in weiterer Folge bereit zu sein, Gott mein Leben zu überlassen. Ich muss jeden Tag neu nach Gottes Willen suchen und auf seine Stimme hören, um meine Berufung wirklich leben zu können. Was mich außerdem noch stärkt, ist, dass jemand, der nichts oder wenig besitzt, immer noch etwas hat, was er dir geben kann oder was er einem anderen geben kann. Ich bin oft Zeugin, wie die Allerärmsten fähig sind, hinzuhören und zu teilen. Das ist ein großer Wert.

Gottes Segen!

„Selbstloser Einsatz und Hingabe – Schwester Friederika lebt diese Dinge voller Überzeugung vor.“

Pater Karl Wallner

Drei Fragen …

Wieso sind Sie Missionarin geworden?

Meine Mission hat mit 13 Jahren bei der Firmung begonnen. Damals hatte ich eine Erkenntnis: Gott ist gut und unendlich gütig, einfach einmalig. Das wollte ich anderen sagen. Ich wollte das hinaustragen in die Welt. Ich habe dann eine Ausbildung als Krankenschwester gemacht und dieser Ruf zur Mission ist immer präsent geblieben.

Was waren anfangs Ihre größten Herausforderungen?

Am Anfang ist es schwierig, dass man die Sprache erlernt. Das ist normal und nur vorübergehend. Wenn man im Dienst Gottes steht, dann muss man auch auf seine Stimme hören. Ich versuche das jeden Tag und war deshalb immer glücklich, dort wo ich war. Ich bin auch nie allein gewesen, sondern immer Teil einer Gemeinschaft, die mich stützt.

Was bedeutet Mission für Sie?

Das ist zum einen etwas Persönliches, nämlich täglich Zeugnis zu geben von der Güte und Barmherzigkeit Gottes und das Evangelium konkret zu leben. Zum anderen bedeutet Mission für mich, gemeinsam mit den Menschen (in der DR Kongo) den Glauben zu leben und sich gegenseitig anzunehmen.

Maria Jungk, Missio Österreich

Maria Jungk

Education Advisor of Young Missio

Missio Österreich

Mission heißt für mich …

…DA zu SEIN für meinen Nächsten, seine Freuden und Sorgen zu verstehen und Beziehung mit ihm zu leben. „Die schlimmste Armut ist Einsamkeit und das Gefühl, unbeachtet und unerwünscht zu sein.“ Dieses Zitat von Mutter Teresa ist für mich in den letzten Jahren zu einer prägenden Wahrheit und zugleich zu einem klaren Auftrag geworden. Lange Zeit war der Begriff „Mission“ eine Überforderung für mich und verbunden mit einem Leistungsgedanken. Ich habe mich oft gefragt, was ich als Maria tun oder leisten muss.

In der „Emmanuel School of Mission“, einer neunmonatigen Jüngerschaftsschule, durfte ich erfahren, dass die Wurzel der Mission im SEIN liegt. Durch eine hartnäckige Bänderverletzung musste ich beinahe die gesamte Zeit auf Krücken gehen und war angewiesen auf die Hilfe anderer. Ich habe Gott jeden Tag gefragt, wie ich mit einem kaputten Fuß und Krücken Mission leben kann. Nach und nach habe ich verstanden, dass Gott mich einlädt, einfach „nur“ zu sein, mit Ihm und den Menschen um mich herum, ihnen zu zeigen, dass sie angenommen, geliebt und vor allem nicht allein sind. Und das tue und versuche ich bis heute.

Ob ein Zuhören, ein Mitfühlen, ein Trösten, eine Umarmung, ein Lächeln oder ein Mittragen – oft genügt ein einfaches da sein von mir, damit das Leben meines Nächsten ein Stück weit lebenswerter wird.