Voneinander lernen

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Voneinander lernen – miteinander teilen

Abenteuer Weltmission

Äthiopien: Alles Bekannte zurücklassen und etwas ganz Neues kennenlernen: Barbara Majcher hat das Abenteuer Weltmission gewagt und war als Volontärin in Äthiopien. Was sie dort erlebt hat, hat nicht nur ihren Blick auf die Welt verändert, sondern auch sie selbst.

Das hat Barbara nicht erwartet: „Vor meiner Reise habe ich mir gedacht, dass ich nach Äthiopien fahre, ein unglaubliches Erlebnis habe, zurückkomme und dann einfach so weiter mache wie bisher in meinem Leben. Dass ich so sehr wieder hingehen will, hätte ich mir nicht gedacht!“, schwärmt sie. Gemeinsam mit ihrer Freundin Lucia hat die junge Medizinstudentin vergangenen Sommer fünf Wochen in einer äthiopischen Kleinstadt verbracht. Schwestern vom Orden der Missionarinnen der Nächstenliebe leiten hier, in Kibre Mengist, ein Sommercamp für Kinder von 6 bis 15 Jahren. Rund 100 Kinder besuchen das Camp in ihren Schulferien. Sie werden in Englisch unterrichtet und verbringen gemeinsam ihre Freizeit, während ihre Eltern arbeiten. Manchen Familien geht es finanziell einigermaßen gut, andere Kinder haben keine Eltern mehr und leben bei Verwandten. Für diese ist es oft schwer, ein weiteres Kind zu ernähren. Die Schwestern sorgen dafür, dass jedes Kind eine warme Mahlzeit pro Tag erhält.

Spielen und lernen

Abenteuer Weltmission

Obwohl Englisch in Äthiopien bereits in der Volksschule unterrichtet wird, fällt es vielen Schülern schwer, sich mit anderen auf Englisch zu unterhalten. „Ich habe deshalb versucht, mit ihnen Englisch in Dialogform zu üben und im Unterricht möglichst viel Alltagsenglisch mit den Kindern zu sprechen“, sagt Barbara. „Im Gegenzug haben sie mir viel von ihren Sprachen beigebracht. Wir haben uns quasi gegenseitig unterrichtet. Mit der Zeit haben sich die Jugendlichen immer mehr geöffnet und begonnen, Englisch mit mir zu reden. Wenn wir die Kinder nach dem Sommercamp in der Stadt getroffen haben, haben sie unsere Namen gerufen und sind zu uns gekommen. Das hat mich sehr gefreut!“ Neben dem Unterricht haben die Kinder viel Zeit, um am Schulgelände miteinander zu spielen. Barbara, die in ihrer Pfarre in Österreich selbst eine Kindergruppe leitet, hat ihnen einen Ball und Springseile mitgebracht, die begeistert entgegen genommen wurden. „Ich habe noch nie gesehen, wie sich Kinder so sehr über einen Ball freuen können. Sie haben sehr gerne Ball mit uns gespielt, egal ob man gut oder schlecht war“, so die Studentin.

Für andere da sein

Dass man auch mit wenig glücklich sein kann, hat Barbara von den Kindern gelernt. Den zehnjährigen Zinabu hat sie besonders ins Herz geschlossen. „Einmal sind wir in der Früh Brot kaufen gegangen, Zinabu hat schon vor der Schule gewartet. Es war ziemlich kühl und er hatte nur ein T-Shirt an, das er über den Kopf gezogen hatte – ihm war kalt. Er ist mit uns mitgekommen und hat uns geholfen, Brot zu kaufen. Das Brot haben wir dann mit ihm geteilt. Es war so schön zu sehen, wie er sich so aufrichtig darüber gefreut hat!“ Gemeinsam mit den Ordensschwestern zu leben, sie und ihre Arbeit kennenzulernen, war für Barbara ebenfalls eine neue und wichtige Erfahrung. „Die Schwestern, die wir kennengelernt haben, sind sehr engagiert. Erst im Gespräch mit ihnen haben wir erfahren, was sie alles machen. Sie kümmern sich um Waisenkinder, pflegen Kranke in einer kleinen Krankenstation und sind für alle, die Hilfe brauchen, da. Das hat mich in meinem Glauben sehr gestärkt“, schildert Barbara.

Reich beschenkt

Als Barbara nach Äthiopien aufgebrochen ist, war sie bereit, sich mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten ganz für die Menschen einzusetzen. „Ich habe nicht geglaubt, dass ich so viel zurückbekommen würde“, sagt die 23-Jährige heute. Neben den unzähligen Zeichnungen, die ihr die Kinder geschenkt haben, nimmt sie vor allem ihr Lachen und ihre Lebensfreude mit nach Hause. In ihrer Zeit als Volontärin, hat sie viel über das Glücklichsein gelernt: „Es kommt nicht so sehr darauf an, wie viel man hat, sondern darauf, was man von anderen bekommt und was man ihnen zurückgeben kann. Dieses Geben und auch Wiederbekommen ist es, was einen eigentlich glücklich macht.“ Ihr Abenteuer Weltmission hat sie darin bestärkt, sich in Zukunft als Ärztin für Menschen in Krisengebieten einzusetzen.

„Wenn ich an meine Zeit in Äthiopien denke, sehe ich die kräftigen Farben dort, die rote Erde und das Grün der Pflanzen. Ich erinnere mich an den süßlich-erdigen Duft, der in der Luft lag, an den Geschmack von Mangos, Kaffee und Injera (das Nationalgericht Äthiopiens). Vor allem aber sehe ich die Menschen, die ich dort kennengelernt und ins Herz geschlossen habe. Ihre Freude am Leben, auch wenn es schwer ist, die große Gastfreundschaft, wie sie Gottesdienste feiern, ihren Gesang und ihre Tänze. Mir wird noch immer jedes Mal warm ums Herz, wenn ich an meine Schüler denke, wie sie lächeln und meinen Namen rufen und wie Gott mir durch sie gezeigt hat, wie wenig man eigentlich braucht, um glücklich zu sein.“

2018-06-18T09:12:22+00:00