China: Kirche im Aufbruch

Einen hoffnungsvollen Aufbruch erlebt die katholische Kirche in China. Die täglichen Morgenmessen um 6 Uhr früh in der 6,9 Millionen-Metropole Shenyang in der Mandschurei im Osten Chinas sind immer voll, vor allem mit jungen Menschen. Ebenso die vier Gottesdienste am Sonntag.

„Die Kirche Chinas ist jung und lebendig, es gibt viele Taufbewerber“, berichten Johannes Dong Hong Chang und Andreas Pan Shi Sheng bei ihrem Besuch bei Missio Vorarlberg in Bregenz-St. Kolumban. Die beiden jungen Priester studieren für ein Jahr im Benediktinerstift Einsiedeln (Schweiz) Spiritualität und wollen das Klosterleben kennen lernen.

Die Bregenzerin Hilde Yen, verheiratet mit einem Chinesen und Gastgeberin der beiden, erinnert sich an eine eindrucksvolle Tauffeier von 20 Erwachsenen in der Osternacht 2007 in Peking. Die Taufzeremonie wurde vor der Kirche, inmitten der Fußgängerzone der Hauptstadt, vorgenommen. Dann zogen die Neugetauften – junge Leute zwischen 17 und 45 Jahren – in die Kirche ein und wurden mit herzlichem Applaus in der brechend vollen Kirche begrüßt und umarmt.

Gelebte Nächstenliebe

Was begeistert Chinesen am Christentum? Johannes Dong: „Das Wirken im sozialen Bereich ist eine der großen Stärken der Kirche. Sie unterhält Heime für alte Menschen und betreut Behinderte. Allein die Diözese Shenyang führt sieben Altersheime. Im Süden Chinas ist die Kirche auch sehr stark in der Aids- und Leprahilfe tätig. Sogar der Staat verlässt sich gerne auf dieses Engagement. Aber auch persönliches Engagement der Christen hinterlässt großen Eindruck: Katholische Ärzte und Rechtsanwälte bieten kostenlose Dienste für die Armen an.“

Werte und Spiritualität

Daneben ist es die christliche Spiritualität, ihre Wertorientierung, die tragende Rolle der Familie und die Wertschätzung des Alters, die die Chinesen anspricht. Christliches Gedankengut ist in China nicht so fremd, wie man vermuten könnte. Es gibt viele Parallelen zu Konfuzius, der die „Goldene Regel“ (Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg’ auch keinem Andern zu) ebenso kennt wie das Christentum, meint Andreas Pan. Jedenfalls bilden die Christen einen Gegenpol inmitten einer atheistischen Gesellschaft, in der der Egoismus grassiert.

Neue Wirtschaftsmacht

Wie erleben die Chinesen ihre neue Rolle als Wirtschaftsmacht? Die Entwicklung geht tatsächlich so rasend schnell, dass man schon nach einem Jahr die eigene Stadt kaum wieder erkennt, sagt Johannes Dong. Es geht den Menschen überall besser als früher. Und doch bestehen große Gegensätze zwischen Arm und Reich. Vor allem auf dem Land gibt es nach wie vor sehr viele arme Menschen.

Kirche in China

Ab 1953 und vor allem während der Zeit der Kommunistischen Kulturrevolution (1966 bis 1976) war die Katholische Kirche in China harten Verfolgungen ausgesetzt. Alle Bischöfe waren im Gefängnis oder in Arbeitslagern. Seit Beginn der 1980-er Jahre folgte mit der einsetzenden Öffnung zum Westen eine Entspannung des Verhältnisses zu den Religionen.

Heute zählt China etwa 12 bis 15 Millionen Katholiken in 150 Diözesen. Die früheren Spannungen zwischen der „Untergrundkirche“ und der offiziellen „patriotischen“ Kirche sind inzwischen weitgehend abgeklungen. Gerade unter Akademikern gibt es viele so genannte „Kulturchristen“. Sie interessieren sich für das Christentum, lassen sich aber aus Angst vor gesellschaftlichen Nachteilen nicht taufen.

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