
Tuberkulose ist neben Malaria und Aids die weltweit häufigste Infektionskrankheit. Weltweit sterben mehr Menschen an Tuberkulose als an jeder anderen behandelbaren Infektionskrankheit. Die WHO geht von jährlich acht bis neun Millionen neuen Tuberkuloseerkrankungen und zwei Millionen Todesfällen aus. Ein Drittel der Weltbevölkerung ist infiziert.
Besonders dramatisch ist die Ko-Infektion von Menschen mit HIV und Tuberkulose. Die beiden tödlichsten Krankheiten haben sich verbündet. Dadurch werden die Erreger resistent gegen bisher bewährte Medikamente. Bereits 12 Millionen Menschen sind mit beiden Krankheiten infiziert – Tendenz schnell steigend.
Der Kampf gegen die Tuberkulose zeigt aber auch Fortschritte. Erstmals meldet die WHO einen Rückgang an neu entdeckten Fällen. Das massenhafte Sterben kann gestoppt werden. Tuberkulose ist mit Antibiotika innerhalb von Monaten gut heilbar, vor allem wenn die Krankheit frühzeitig erkannt wird. Die Behandlung kostet im Schnitt 50 Euro.
Das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich unterstützt vier Lepra- und Tuberkuloseprojekte in Brasilien mit 133.000 Euro. Manfred Göbel, Koordinator der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe in Brasilien und Berater des brasilianischen Gesundheitsministeriums berichtet:
Brasilien gehört zur Gruppe der 22 Länder, die zusammen 80% aller Tuberkulosefälle weltweit registrieren. Die Krankheit wütet vor allem in den Slums der Großstädte, wo die Menschen auf engen Raum, ohne Hygiene in absoluter Armut leben. Die Arbeit hier ist sehr gefährlich, weil die Slums häufig von der Drogenmafia kontrolliert werden. Allein in Rio de Janeiro unterhält die Drogenmafia ein Heer von 8.000 Kindersoldaten, welche die Slums schwer bewaffnet bewachen. 90% dieser Kinder erleben nicht das 18. Jahr.
Von Tuberkulose ebenfalls sehr stark befallen sind die Indianer. Sie rafft viele von ihnen hinweg. Viele Stämme leben in Reservaten in absoluter Armut, abgeschnitten von ihrer früheren Lebensweise als Jäger und Sammler. Aufgrund von Unterernährung liegt die Kindersterblichkeit teilweise bei fast 50 Prozent der Kleinkinder unter einem Jahr.
Gemeinsam mit der Deutschen Lepra- und Tuberkulosenhilfe unterstützen wir die Behandlung von Tuberkulose-Kranken in der „Dritten Welt“. Gesundheitskontrolle sowie die Ausbildung und Beratung des Fachpersonals von Kliniken und Gesundheitszentren sind weitere Schwerpunkte.
Die Arbeit in den Slums soll in den nächsten Jahren ausgebaut werden. Unter anderem schaffen wir mehr Behandlungsangebote, geben soziale Hilfe zur Verbesserung der Lebensbedingungen und verstärken die Aufklärungsarbeit, damit die Menschen frühzeitig zur Behandlung kommen und ihre Therapie nicht zu früh abbrechen.