08.03.2010
Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März ruft Missio die vielfachen Unterdrückungen von Frauen auf der ganzen Welt in Erinnerung. Monsignore Dr. Leo-M. Maasburg, Nationaldirektor von Missio und langjähriger Begleiter von Mutter Teresa: „Besonders in den Ländern des Südens zählen Frauen häufig zu den Benachteiligten, deren Würde mit Füßen getreten wird. Deswegen unterstützen wir weltweit Projekte, die ausschließlich Frauen zugute kommen. Papst Benedikt XVI. erinnert uns: Unsere Epoche erlebte das Zeugnis von Mutter Teresa. Diese demütige Albanerin wurde durch Gottes Gnade zu einem Beispiel der Nächstenliebe und Förderung des Menschen in der ganzen Welt. Wie viele andere Frauen arbeiten Tag um Tag, oft versteckt, für das Wohl der Menschheit und das Reich Gottes!“
Auch in Indien sind die Frauen der Motor der Gesellschaft. Sie erledigen die Hausarbeit, erziehen die Kinder, bestellen den Garten und versorgen die Haustiere. Dennoch dürfen sie ihre Meinung meistens nur zu Hause sagen – in der Öffentlichkeit könnten sich Männer angegriffen fühlen. Werden Frauen geschlagen oder vergewaltigt, wird die Schuld zumeist bei den Opfern gesucht. Viel zu oft werden sie auch als Verkaufsobjekte betrachtet: Mit einem hohen Brautpreis lässt sich viel Geld verdienen.
Mit Benzin übergossen und angezündet, vergewaltigt, geprügelt, auf die Straße gesetzt: Schicksale indischer Frauen. In Sr. Vinayalatas Krisenzentrum WIN-HOME in Bombay finden sie wieder Zukunft und Zuversicht.
Razia wurde mit sechs Jahren von einer muslimischen Familie auf der Straße gefunden und lebte 20 Jahre lang als Dienstmädchen in deren Haushalt. Als sie von einem Wachmann aus der Nachbarschaft schwanger wurde und dieser dann „über Nacht“ verschwand, sah sie als unverheiratetes Mädchen in der indischen Gesellschaft keine Zukunft mehr für sich. Sie beging einen Selbstmordversuch und wurde in kritischem Zustand in ein Krankenhaus eingeliefert, wo sie ihr Baby gebar. Ihre „Gastfamilie“ jedenfalls wollte von ihr nichts mehr wissen und Razia stand verzweifelt auf der Straße.
Die fünfzehnjährige Elisa wurde mit vier Jahren von ihrer geisteskranken Mutter im Wald ausgesetzt, wo sie eine alte Frau fand und sich um sie kümmerte. Als diese starb, sollte sie an einen Kinderhändler verkauft werden, was von mitleidigen Nachbarn verhindert werden konnte. Drei Jahre lebte sie bei den Mutter-Teresa Schwestern, bis sie schließlich Arbeit fand. Der Arbeitsdruck und sexuelle Nachstellungen trieben sie schließlich ebenfalls zu einem Selbstmordversuch.
Die dreiundsechzigjährige Rose hatte ein Leben lang hart gearbeitet, gespart und konnte sich schließlich ein eigenes Haus leisten. Doch der Ehemann und ihre drei Söhne warfen sie aus dem Haus und trachteten ihr nach dem Leben, um an ihr Eigentum heranzukommen. Mit Mühe konnte sie mehreren Mordversuchen entkommen. Diese Schicksale sind keine Einzelfälle.
Allein in Mumbai werden täglich hunderte Frauen bedroht, gedemütigt, physisch und psychisch verletzt, an den Rand des Selbstmordes getrieben. Deshalb hat Sr. Vinayalata Rebelho vom Orden „Königin der Apostel“ (Mutterhaus in Wien) ein Krisenzentrum für Frauen in Not („WIN HOME“) gegründet. Dort wird verzweifelten Frauen Unterschlupf geboten. Sie erhalten medizinische, spirituelle und rechtliche Unterstützung und werden so lange begleitet, bis sie ihr Leben wieder im Griff haben. In vielen Fällen werden Ausbildungen angeboten und Arbeitsplätze vermittelt.
Sr. Vinayalata ist immer da, immer ansprechbar, ohne die Geduld zu verlieren. Waren schon die ersten Schwestern ihres Ordens „Königin der Apostel“ Anfang des vorigen Jahrhunderts von Wien nach Indien gekommen, um den indischen Frauen in ihrer verzweifelten Lage beizustehen, so hat sich an deren traurigen Los bis heute nicht viel geändert: der Andrang im WIN HOME wird immer größer. Sr. Vinayalata möchte aber auch weiterhin „allen Frauen, die an unsere Tür klopfen“, die Hand reichen. „Denn“, so ist Sr. Vinayalata überzeugt, „nur wenn sie aus ihrer Opferrolle heraustreten, werden sich auch die indischen Frauen ihrer Würde bewusst werden.“
Schrift + | - Seite drucken