Einsturzgefahr: Kirche im Senegal

Während der Muezzin zum Gebet ruft, strömt eine kleine Gruppe in entgegengesetzte Richtung zu einer baufälligen Kapelle: Die Christen im Senegal machen nur sieben Prozent der Bevölkerung aus. Für sie ist der Zusammenhalt der Gemeinschaft wesentlich, damit ihre Pfarrgemeinde überlebt. Keine Selbstverständlichkeit in einem Land das trotz allem als Paradebeispiel für den Dialog zweier Religionen und Kulturen gilt.

Eine Reportage von Ernst Zerche (Fotos) und Maria-Teresa Pollak (Text)

Nur Männer mit ihren Söhnen sind auf den Straßen zu sehen – und ungewöhnlich viele Schafe. Vor fast jedem Haus ist eines angebunden. Ein älterer Mann, der in prächtige blaue Gewänder gehüllt ist, schreitet die staubige Hauptstraße entlang. Er dreht sich nach hinten und ruft seinem Sohn zu, sich zu beeilen und schneller zu gehen: Immerhin wollen sie noch einen guten Platz erwischen. Aus Erfahrung weiß er, dass die Moschee von Kaolack während des Tabaski-Festes überfüllt sein wird. Je näher die beiden dem Gebetshaus kommen, desto lauter wird der Ruf des Muezzins. Auf dem Platz vor der Moschee verstehen sie kaum noch ihr eigenes Wort. Doch das scheint niemanden zu stören –man trifft sich hier nicht zum Plaudern, sondern zum Gebet.

Nachdem dieses beendet wurde, tritt der Imam Rajeth vor die Moschee, in der Hand ein großes Messer. Er schreitet durch die Menschenmenge, die ihm bereitwillig den Weg frei macht, und bleibt vor einem Widder stehen. Gekonnt setzt er das Messer an und schneidet dem Tier die Kehle durch. Die Männer jubeln, fallen einander um den Hals, wünschen sich ein „Frohes Tabaski“ und bitten sich gegenseitig um Verzeihung – auch für alles, woran man sich selbst nicht mehr erinnern kann. Dann eilen alle nach Hause, um dort ebenfalls ein Schaf im Kreise der Familie zu schächten.

Guter Umgangston

Beim wichtigsten muslimischen Fest in Afrika lässt es sich auch Bischofsvikar Dione nicht nehmen, dem Imam ein gutes Tabaski-Fest zu wünschen. Für Dione gehört dies zum guten Umgangston im Dialog der Religionen. Und es gilt die guten Beziehungen zwischen Muslimen und Christen in der senegalesischen Diözese Kaolack zu wahren. Immerhin leben in der Bezirksstadt mehr als 200.000 Einwohner, von denen sich lediglich 2.000 zum Christentum bekennen.

Diones Familie gehört zur christlichen Minderheit. Schon in jungen Jahren hatte der heutige Bischofsvikar den Entschluss gefasst, Priester zu werden. Das war für ihn und seine Familie keine einfache Vorgabe: Als einziger Sohn hätte nur er für seine Familie und ihren Fortbestand sorgen können. „Ich war verzweifelt“, erinnert sich Dione heute. In der afrikanischen Kultur genießt die Familie höchsten Stellenwert. Die Eltern hätten die Entscheidung ihres einzigen männlichen Nachkommens nur schwer akzeptiert. Deshalb begann Dione zu beten: „Herr, wenn du willst, dass ich Priester werde, so schenke mir einen kleinen Bruder.“ Als seine Mutter einen Sohn zur Welt brachte, wusste er, dass er Jesus nun ganz nachfolgen könne. „Ich bin sehr froh, Priester zu sein und versuche, nicht durch Worte sondern durch mein Leben, Christus nachzufolgen. Ich bin gerne für die Menschen da und helfe ihnen, wo ich kann.“

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