
Als "Schatzkiste Südostasiens" wird das Land bezeichnet, das zwischen dem Golf von Thailand und den Ländern Vietnam, Laos und Thailand liegt: Kambodscha. Und dennoch, wenn von Kambodscha die Rede ist, dann hört und sieht man kaum etwas von der vielfältigen Flora des Landes, wie die Mangrovenwälder an der Küste oder die Regenwälder im Landesinneren.
Ebensowenig spricht man von der einst wahrscheinlich größten Stadt der Welt: Angkor. Um 1200 lebten in der Hauptstadt des damaligen Khmer-Reiches etwa 1 Million Menschen. Damals errichteten die Khmer die Tempelanlage Angkor Wat, die bis heute steht und 1992 zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde.
Vielmehr verbindet man heutzutage mit Kambodscha vor allem Eines: Pol Pot und die "Roten Khmer". Die Schreckensherrschaft unter Pol Pot forderte zwischen 1975 und 1978 1,7 Millionen Menschenleben. In seinem Wahn, den atheistischen Kommunismus in radikalster Form einzuführen, unterdrückte Pol Pot auch alles Religiöse - Christen und Buddhisten wurden vehement verfolgt.
Kambodscha ist ein wahres Missionsland: Von den 14,5 Millionen Kambodschanern bekennen sich rund 24.000 zum Christentum. Rund 95 % der Bevölkerung leben nach der Tradition des Theraveda-Buddhismus.
Und dennoch zelebrierte die kambodschanische Kirche 2006 ihren 450. Geburtstag. Dabei feierten die Kambodschaner den Besuch des portugiesischen Dominikanermönchs Gaspard De Cruz im Jahr 1556 bei König Preah Ang Chan.
Weitere Missionsversuche im 19. Jahrhundert, der Zeit des französischen Protektorats, scheiterten an der traditionell-religiösen Vorstellungswelt der Khmer, sowie der vietnamesischen Prägung der Kirche. Für die Menschen in Kambodscha bilden Religion und Nation eine Einheit und eine Konversion käme so einem „Landesverrat“ nahe. Die Vietnamesen, die als Flüchtlinge in das Land kamen, bilden heute noch einen großen Teil der Kirche.
Kambodscha ist ein Land der Verstümmelten. Viele Menschen wurden Opfer von Landminen und Krankheiten. Sie sind körperlich schwer behindert. Für sie setzt sich die Kirche in Kambodscha besonders ein.
Ein leuchtends Beispiel ist der spanische Jesuitenmissionar Pater Jorge: Er begleitete ein Landminenopfer zu einer Bein-Amputation ins örtliche Krankenhaus. Angsterfüllt musst der Kambodschaner stundenlang auf den schweren Eingriff warten. Besorgt betrat Pater Jorge den Operationssaal. Sein Freund lag einsam auf dem Operationstisch, die Arme weit ausgebreitet. An ihnen hing jeweils eine Infusion.
Da traf es Pater Jorge mitten ins Herz: "Das ist Jesus am Kreuz!" Pater Jorge ließ dieses Bild des am Bein amputierten Freundes als Kreuz schnitzen und nannte es "Handicapped Jesus". Dieses spezielle Kreuz hat sich tief in das Leben der kambodschanischen Kirche eingeprägt. Es zeigt den leidgeprüften Menschen Kambodschas, dass Jesus sich mit den Armen und Leidenden identifiziert.
Weiterführende Informationen (PDF, 2 Seiten)
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Monika Schwarzer
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